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Der Facharzt für Innere Medizin und Hämato-Onkologe OA Dr. Thamer Sliwa über die chronische myeloische Leukämie und warum es so wichtig ist, gewissenhaft seine Medikamente zu nehmen.

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OA Dr. Thamer Sliwa

Facharzt für Innere Medizin und Hämato-Onkologe ©Foto: Sliwa/Multiples-Myelom.at

Was muss ich mir unter CML vorstellen?

Die CML ist eine bösartige Erkrankung der Blutstammzellen. Aus einer Entartung einer Stammzelle entstehen ganz viele Tochterzellen. Die reifen zwar heran, nehmen ihre Funktion aber nicht wahr. Diese Reifung erfolgt auf Kosten der normalen Zellen. Sprich, es gibt viel zu viele Leukozyten. Etwa 10.000 wäre ein normaler Referenzwert, manche PatientInnen haben aber bis zu 300.000. Diese Leukozyten sind in der Funktion eingeschränkt, sie können ihre angestammte Funktion, die Immunabwehr, nicht wahrnehmen.

Was unterscheidet die CML eigentlich von anderen Leukämieformen?

Eine akute Leukämie bedarf einer unmittelbaren Therapie, da sie sonst schnell tödlich endet. Die CML aber ist eine chronische Leukämie. Sie kann auch eine Zeit lang bestehen, ohne dass der Patient etwas davon mitbekommt.

Diese Erkrankung hat drei Phasen?

Genau. Die meisten PatientInnen sind in einer chronischen Phase, sprich die Erkrankung ist nicht fortgeschritten und der Patient wird medizinisch gut versorgt. Dann gibt es die akzelerierte Phase, bei der die Erkrankung fortgeschritten ist. Es kommt zu einer Vermehrung von Blasten, von unreifen Zellen. Die dritte Phase ist die sogenannte Blastenkrise, die mit allen Mittel verhindert werden muss. Dabei bestehen mehr als 30 Prozent des Blutes aus unreifen Zellen. In solchen Fällen ist eine Stammzellentransplantation nötig.

Welche Folgen hat eine CML-Erkrankung für Betroffene?

In reichen, westlichen Ländern ist die Diagnose CML oftmals ein Zufallsbefund im Rahmen einer Gesundenuntersuchung. Die chronische Form spürt man im Gegensatz zur akuten Leukämie lange nicht. Im Laufe der Zeit entwickeln die Patienten eine große Milz, die zu drücken beginnt. Weiters entwickelt sich eine Anämie, eine Blutarmut, da zu wenige rote Blutkörperchen vorhanden sind. Auch zu wenige Blutplättchen und zu wenige Abwehrzellen sind vorhanden. Daraus resultieren Probleme mit der Atmung, Probleme mit der Blutgerinnung und Probleme mit der Immunabwehr.

Wie verläuft die CML?

Früher lag die Lebenserwartung bei einem normalen Verlauf bei drei bis maximal fünf Jahren. Heute ist es möglich, das Fortschreiten der CML bis zur vorhin genannten Blastenkrise, die in den meisten Fällen tödlich verläuft, zu verhindern. Es freut mich, sagen zu können, dass die meisten Patienten mittlerweile eine normale Lebenserwartung haben.

Kann jeder von dieser Erkrankung betroffen sein?

Die CML ist keine Erbkrankheit, sondern wird aufgrund einer genetischen Veränderung an den hämatopoetischen Stammzellen quasi erworben. Etwa durch den Kontakt mit Chemikalien oder Umweltgiften. Sie tritt meist in höherem Alter auf.

Wie lebt man mit CML?

Wenn die Diagnose gestellt ist, was mittels Knochenmarkspunktion erfolgt, wird der Patient medikamentös eingestellt. Wir sind in der glücklichen Lage, aus fünf zugelassenen Medikamenten wählen zu können. Vor allem im ersten Jahr der Erkrankung wird der Patient engmaschig kontrolliert. Zuerst ein Monat nach der Diagnose, dann erfolgt alle drei Monate eine molekulargenetische Untersuchung. Nach sechs und zwölf Monaten bekommt der Patient auch eine Knochenmarkspunktion. In der heutigen Zeit stirbt man nicht mehr an der CML, sondern mit der CML.

Welche Botschaft möchten Sie Betroffenen noch mitgeben?

Ganz, ganz wichtig ist, dass der CML-Patient seine vom behandelnden Arzt verschriebenen Medikamente regelmäßig und gewissenhaft einnimmt. Das ist für den Verlauf der Krankheit und die Lebenserwartung der PatientInnen absolut entscheidend. Studien haben gezeigt, dass schon ein Abweichen der vorgesehenen Medikamenteneinnahme von 10 Prozent die Lebenserwartung deutlich senkt.


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