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Gesund im Alter

Parkinson: Jede Therapie ist so individuell wie die Erkrankung

Photo: Africa Studio via shutterstock

Dr. Dieter Volc

Neurologe und Spezialist für Bewegungsstörungen

Morbus Parkinson ist nicht heilbar, lässt sich aber medikamentös gut beherrschen. Wichtig ist eine personalisierte Behandlung und „Beweglichkeit“, erklärt der Parkinson Experte Dr. Dieter Volc.

Wie wird Morbus Parkinson behandelt?

Wir können nicht heilen, sondern nur symptomatisch behandeln. Wir können den Krankheitsverlauf nicht beeinflussen, aber durch die Behandlung der Symptome Sekundärkomplikationen wie Stürzen oder Harnwegsinfekten vorbeugen. Für den Patienten bedeutet das natürlich deutlich mehr Lebensqualität. Der Goldstandard in der Behandlung ist die 1961 in Wien entwickelte Levodopa-Therapie. Unterstützt wird diese durch Substanzen, die den Abbau von Dopa, das im Körper zu Dopamin umgewandelt wird, hemmen und solche, die an den Dopaminrezeptoren andocken und dafür sorgen, dass im Körper mehr Dopamin verfügbar ist. Die Einnahme erfolgt oral mittels Tabletten.

Gibt es auch andere Behandlungsformen als die Einnahme von Tabletten?

Neben der Pharmakotherapie gibt es noch die invasive Therapie. Die kommt dann zum Einsatz, wenn die Gabe von Tabletten nicht mehr ausreicht und der Patient in ein Off kippt. Die Off-Phasen sind gekennzeichnet durch Muskelzittern oder -starre oder Verlangsamung der Bewegungen. Das passiert etwa, weil die Wirkung von Levodopa im Alter nachlässt. Dann braucht es zusätzliche Applikationen, um sicherzustellen, dass der Patient immer Dopa zur Verfügung hat. Das ist das oberste Ziel der Behandlung. Das kann dann mit einem Apomorphin-Pen oder einer Pumpe sichergestellt werden. Bei jüngeren Patienten gibt es auch die Möglichkeit der tiefen Hirnstimulation.

Wie funktioniert ein Apomorphin-Pen?

Der Pen funktioniert wie ein Insulinpen für Diabetiker. Im Grunde ist es ein Injektionssystem, mit dem man sehr einfach eine bestimmte Menge Apomorphin unter die Haut spritzen kann. Damit wirkt der Wirkstoff sehr schnell – binnen zehn Minuten – und hält etwa eine Stunde an. Man kann dann problemlos abwarten, bis die Wirkung einer geschluckten Tablette einsetzt. Der Pen hilft vor allem Patienten, die in der Früh sehr steif sind oder unter Verdauungsproblemen leiden.

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Wie unterscheiden sich die Pumpen-Systeme?

Wie bereits erwähnt, kann Apomorphin nicht nur pulsatil mit dem Auto-Injektor-Pen angewendet werden, sondern auch kontinuierlich mit einer Pumpe ins Unterhautfettgewebe appliziert werden. Das ist minimal invasiv.

Bei LCIG-Pumpen wird ein Gel aus Levodopa und einem Decarboxylase-Hemmer, der den Abbau von Dopamin hemmt, mit einem kominierten Pumpen-Sonden-System durch die Bauchwand in den Dünndarm gepumpt. Das ermöglicht eine gleichmäßige über den Tag verteilte Wirkstoffversorgung – das ist auch minimal invasiv, wobei die Magen-Dünndarm-Sonde endoskopisch gelegt wird.

Die neueste Generation des Pumpen-Systems (LECIG) zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es klein, leicht, geräuscharm sowie einfach in der Handhabung ist und auch das Gel weiterentwickelt wurde – es enthält neben Levodopa zwei weitere Wirkstoffe.

Weitere Informationen: www.parkinson-portal.at

So etwas wie eine Standardtherapie gibt es also nicht?

Es gibt weltweit 6,3 Millionen Parkinson-Patienten und genauso viele Verläufe und Therapien. Das ist wirklich für jeden Patienten individuell zusammenzustellen. Das bezieht sich auf die Art der Medikation, die Höhe der Dosen sowie deren Häufigkeit. Diese müssen an den Biorhythmus des Patienten angepasst werden. Trotz der überschaubaren Anzahl an Präparaten ist die Behandlung damit hoch-personalisiert. Dafür braucht es natürlich einen Parkinson-Spezialisten. Das kann ein gut informierter praktischer Arzt sein, in den meisten Fällen wird es aber ein Neurologe sein. Allen Therapien gemein ist aber, dass die Medikation nur ein Teil der Behandlung ist. Erfolgreich ist diese nur, wenn man in Bewegung bleibt – geistig und körperlich. Sport, Bewegung, Physiotherapie, aber auch Sozialkontakte pflegen. Es ist ganz wichtig, dass die Leute gut eingebunden sind und nicht vereinsamen.

Was würden Sie Patienten und Angehörigen noch mit auf den Weg geben?

Es gibt keine Wundermittel. Ich erlebe es immer wieder, dass Angebote im Internet Heilung versprechen. Das stimmt aber nicht. Kein Nahrungsergänzungsmittel der Welt kann Parkinson heilen. Den pflegenden Angehörigen würden auch noch gern mitgeben, dass Sie die Freuden des Lebens auch genießen sollten und nicht alles der Erkrankung unterordnen sollten. Es ist nicht nur in Ordnung, sondern sogar wichtig, sich distanzieren zu können, um emotional verfügbar zu bleiben. Man kann nicht Vollzeitpflegekraft und geliebte Person in einem sein.

Parkinson Selbsthilfe in Österreich

Steiermark
Kontakt: Helmuth Sonnenschein / T: 0316-48 33 77 / E: [email protected]

Wien
Kontakt: Michael Grim / T: 0681/814 25 312 / E: [email protected]

Salzburg
Kontakt: Dr. Johann Ebner / T: 0664-439 52 42 / E: [email protected]

Tirol
Kontakt: Karl Ortner / T: 0680-2018825 / E: [email protected]

Kärnten
Kontakt: Adolf Koffler, MBA / T: 0664-73757573 / E: [email protected]

Niederösterreich
Kontakt: Lamija Muzurović, prof. MAS / E: [email protected]

Web:
www.parkinson-oesterreich.at / www.parkinson-selbsthilfe.at / www.parkinson-noe.at

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