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Aktives Altern ist die beste Vorsorge gegen Einsamkeit!

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Wer gibt schon gern zu, einsam zu sein? Kaum jemand, denn Einsamkeit ist ein Tabuthema, das mit großer Scham behaftet ist. Sie macht krank und sorgt dafür, dass sich die Betroffenen zurückziehen.

Ingrid Korosec

Präsidentin des Seniorenbunds, Wiener ÖVP-Landtagsabgeordnete und Gesundheitssprecherin © Foto: Sabine Klimpt

Ich persönlich liebe es, unter Menschen zu sein. Neben meiner Familie und meinen FreundInnen spenden mir all die Begegnungen in meinem Arbeitsalltag viel Kraft, dafür bin ich sehr dankbar. Dabei erlebe ich SeniorInnen als eine Generation lebensfroher Menschen. Doch erzählen mir auch viele, dass sie sich öfter allein fühlen oder selten bis nie jemanden zum Reden haben. Ich spüre dann, dass es für sie eine Überwindung darstellt, sich jemandem mit dem Thema Einsamkeit anzuvertrauen. Dabei fühlen sich europaweit bereits mehr als 30 Millionen Menschen einsam, 75 Millionen haben nur einmal im Monat Kontakt zu anderen Personen. Auch in Österreich stellt Einsamkeit ein ernstes Problem dar, mit dem besonders ältere Menschen zu kämpfen haben. Die Gründe sind vielfältig: körperliche Einschränkungen, der Tod von FreundInnen oder LebensgefährtInnen, Seh- oder Hörschwäche oder auch räumliches Auseinanderdriften der Familie.

Zuhören zählt

Menschen brauchen aber Menschen, um ihre Probleme und Gedanken zu besprechen. Sie brauchen FreundInnen, Familie oder einfach nur ein aufmerksames Gegenüber. Meine Zeit als Volksanwältin hat mir sehr deutlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, zuzuhören und Verständnis zu zeigen – und dass genau das vielen Menschen fehlt. Das Österreichische Rote Kreuz etwa musste die Zahl seiner freiwilligen HelferInnen innerhalb von drei Jahren um fast ein Drittel erhöhen, da der Bedarf an Besuchsdiensten deutlich gestiegen ist.

Altersarmut macht einsam

Ob Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben, hängt auch stark vom Einkommen ab. Dabei geht es nicht um teure Kleidung oder das neueste Smartphone. Wer sich keinen Besuch im Kaffeehaus oder keinen Ausflug leisten kann, bleibt zu Hause und vereinsamt. In diesem Zusammenhang dürfen wir nicht vergessen, dass rund 1,3 Millionen Pensionen in Österreich unter 1.111 Euro brutto im Monat liegen. Ein Grund mehr, warum ich so für die finanzielle Absicherung durch eine ausreichende Pension kämpfe.

Mobilität mindert Einsamkeit

Soziale Sicherheit ist aber nicht der einzige Stellhebel gegen Vereinsamung. Es liegt auch stark an den SeniorInnen selbst, im Rahmen ihrer Möglichkeiten aktiv zu altern und Kontakt zu suchen und zu pflegen. Beispielsweise ist es gerade für ältere Menschen ungemein wichtig, mobil zu bleiben. Mobilität beugt Einsamkeit vor und steigert die Lebensqualität – egal, ob es darum geht, die Einkäufe mühelos erledigen zu können, zu ÄrztInnen zu fahren, FreundInnen und Verwandte zu besuchen, ins Theater zu gehen, Sport zu treiben oder aktiv reisen zu können. Das öffentliche Verkehrsnetz mit speziellen SeniorInnenangeboten ist hierbei eine große Stütze und muss unbedingt weiter ausgebaut werden.

Digitalisierung als Chance

Ebenso bietet die Digitalisierung vielfältige Möglichkeiten gegen Einsamkeit. Im Internet surfen, Internet-Telefonie, Chatten, das Verschicken und Teilen von Bildern oder Videos und vieles mehr ermöglichen es, auch über weite Strecken mit FreundInnen und Familie Kontakt zu halten und sind für die ältere Generation das „Tor zur Welt“. Dieses Tor müssen sie aber selbstständig öffnen. Spezielle Computerkurse wie jene des Seniorenbundes oder der Initiative „fit4internet“ helfen dabei, technologisch auf dem neuesten Stand zu bleiben. Nicht umsonst appelliere ich an die SeniorInnen, neugierig und offen für Neues und sowohl geistig als auch körperlich fit zu bleiben.

Ehrenamt als Leuchtturm

Aber auch abseits der digitalen Welt braucht es Orte des Zusammentreffens. Hier kommt die wichtige Arbeit von SeniorInnenorganisationen in den Ländern und Gemeinden ins Spiel. Seit Jahrzehnten bieten sie älteren Menschen Zusammenhalt, Freundschaften und Gemeinschaft. Aus einer Interessensvertretung wird dabei eine große Familie. Dafür mein herzliches Dankeschön an alle, die sich ehrenamtlich engagieren! Ihr seid ein verlässlicher Leuchtturm gegen die Einsamkeit.

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