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Über das Alter nachdenken, macht alt – Freigeister bleiben jung

© Fotos: Andrea Kreuzmayr

Mit „Alles Leben dieser Erde“ hat Hans Kreuzmayr alias Waterloo heuer sein bereits 35. Album vorgestellt. Im Gespräch erklärt er, was er so vom Älterwerden hält und warum das auf ihn gar nicht so passt.

Mittlerweile das 35. Album und zahllose Auftritte: Woher kommt deine Energie?

Das ist ganz einfach: Weil ich das mache, was ich machen will. So habe ich viele tolle Menschen kennenlernen dürfen und bin in der ganzen Welt herumgekommen. Ich habe in Japan gesungen, in Afrika, in den USA, in Russland – ja sogar in Sibirien – und natürlich in ganz Europa. Ich bin ein Freigeist und mach in meinem kurzen Leben einfach das, was mir Spaß macht. In den USA haben sie mich auch gefragt wegen „Hollywood“ – da haben wir ja 11 Millionen Tonträger verkauft: Wie schafft man das aus einem so kleinen Land? Dran glauben und was machen! Aus, basta.

Ist Älterwerden etwas, das für dich Sinn macht?

Überhaupt nicht. Das ist mir wurscht. Warum soll ich mir Gedanken machen? Ich weiß, dass es irgendwann aus ist. Aber wenn du immer daran denkst und dich jeden Tag damit befasst, dann wirst du älter. Ich habe das Glück, das ich mit 74 so gut drauf bin, dass ich machen kann, was ich will – aber weil ich eh immer gemacht habe, was ich will und das mach ich weiter so. Du musst einfach aus dir wachsen, dann befasst du dich auch nicht damit, wie alt du gerade bist.

Was hält dich fit?

Bewegung und am Körper arbeiten. Der Körper ist das Wichtigste und ein Heiligtum. Der gehört ja nur dir, keinem Finanzamt, keiner Partei, niemandem – und auf den achte ich. Ich sage ja immer, Sport ist Mord, aber Bewegung ist Leben – aus der Natur in der Natur. Mit deinem Körper musst du reden, um herauszufinden, was dir guttut. Ich habe mich da fest im Griff. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der viele Menschen um mich herum Drogen genommen haben. Ich habe es nie gemacht. Ich habe auch Falco gut gekannt. Der hat mal zu mir gesagt: „Dich holens oba mit einem Stecken. Aber i geh früher, weil I hoit des net aus.“ Ich möchte ja auch noch mit 80 gut drauf sein. Meine Mutter ist jetzt 94 und die lacht immer. Sie ist zwar traurig, dass ich jetzt so weit weg wohne. Aber dann setz ich mich halt ins Auto und fahr sie besuchen.

Welch Rolle spielt die Familie in deinem Leben?

Ich habe wirklich eine tolle Familie. Seit 20 Jahren steht nun schon meine Frau Andrea hinter mir und unterstützt mich in allen Belangen. Ich habe fünf Kinder und mittlerweile sogar einen sieben Jahren alten Urenkel. Da habe ich natürlich immer Kontakt. Das ist mir auch sehr wichtig. Drei Kinder sind in Wien. Natalie ist in Barcelona. Ich bin selber in Mörbisch und sehr glücklich hier. Alle etwas verstreut, aber man sieht sich. Mit dem Flugzeug ist die Welt ja sehr klein geworden. Das verschmutzt natürlich auch alles und hat ein gehöriges Chaos in der Natur angerichtet. Der Mensch ist da viel mächtiger als die Natur, aber am Ende bekommt er eine in die Goschen. (lacht) Es ist so, da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Ich freu mich im Moment aber, dass die Jungen gerade sagen: Halt! Ich glaub, da müssen wir uns doch was überlegen.

Setzt du große Hoffnungen in die nächste Generation, dass sie das besser machen?

Ja, klar! Das beginnt aber schon im Kindergarten. Da kann man nicht einfach nur autoritär im Kindergarten sagen, das Kind darf das nicht und das Kind darf das nicht. Dauz braucht man aber auch mehr Personal und Menschen, die verstehen, wie man mit Kindern umgehen muss. Wenn man den Kindern das richtig und freundlich erklärt, dann merken sie sich das auch, wenn etwas ungesund oder giftig ist oder sie das einfach nicht tun dürfen. Und dann erklären sie das auch der Mama zu Hause, wie das richtig geht.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Mein Papa hat Zither gespielt und mir Volksmusik aus dem Innviertel, aus Altheim, wo wir herkamen, vorgespielt: „eeeeee mia san de schenan zwe / eeeeee mei han mia sche.“ (lacht) Ich bin einfach mit Musik aufgewachsen. Zuerst eben damit, später dann in den Siebzigern mit den Beatles und den Stones. Ich habe im fünften, sechsten Lebensjahr angefangen, Musik zu machen und mit zehn Jahren meinen ersten Plattenvertrag gehabt. Das kann sich heute niemand mehr vorstellen. Später habe ich mir selbst das Gitarrenspielen beigebracht. Mit fünfzehn, sechzehn Jahren habe ich in Linz am Landestheater ein bisschen Operette gelernt. Das war aber nicht so meins. Ich habe dann Tischler gelernt und später eine Boutique betrieben. Aber ich habe immer nebenbei Musik gemacht.

Was inspiriert dich zum Musikmachen?

Wegen der Boutique hatte ich Probleme mit der Wirtschaftskammer, weil die meinten, ich bräuchte einen Gewerbeschein. Da habe ich gesagt, ich zahl meine Steuern, was wollt ihr von mir? Fetzen verkaufen kann ja wirklich jeder Dodel, oder? (lacht) Da habe ich dann aber diese ganzen Beamten, das System und diese ganzen Zwänge rund um mich kennengelernt und mir gesagt: Hansi, mach Musik, weil das die beste Medizin und die beste Politik der Welt ist. Ich bin viel herumgekommen und es ist überall dasselbe: Wenn du Musik machst, tragen dich die Menschen auf Händen. Darum habe ich weitergemacht. Ich habe mein Herz und meine Seele beruhigt. Mein Leben mit der Musik ist so bunt. Ich kenn aber auch kein anderes.


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