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„Wer ist jetzt der Loser?“

© Foto: Legend Media

Thomas Geierspichler ist seit einem Unfall querschnittsgelähmt. Der Rennrollstuhlfahrer ist zweifacher Paralympic-Sieger, fünffacher Weltmeister und sechsfacher Europameister. Wie es dazu kam, erzählt er hier.

Thomas Geierspichler

Paralympic-Sieger

Viele Menschen finden sich mit neuen Lebensumständen konfrontiert: Der Partner stirbt, der Ausstieg aus dem Arbeitsleben, man hat mit körperlichen oder psychischen Erkrankungen zu kämpfen. Was rätst du solchen Menschen?

Mir ist bewusst, dass man nur gewisse Jahre zu leben hat. Womit verbringe ich diese Zeit? Mit negativen Gefühlen, die mich runterziehen, oder will ich Glück erfahren? Das geht nur, wenn du dich dafür öffnest. Ich habe die Wahl: Ich schaue entweder auf die Hoffnung, auf die Liebe, auf die Zuversicht. Oder ich schaue auf das Negative. Ich sitze im Rollstuhl. Und alle sagen: „Was bringt dir deine zuversichtliche Denkweise? Huckst noch im Rollstuhl oder net?“ Ja, ich sitze noch im Rollstuhl, aber wenn ich im Sterbebett liege, hatte ich ein hoffnungsvolleres, glücklicheres Leben, als wenn ich immer alles negativ gesehen hätte. Und dann denk ich mir: Wer ist jetzt der Loser?

Du hattest auch eine Phase mit Drogen und Alkohol. Wie hast du es geschafft, wieder umzukehren?

Auf einer Party fragte mich einer, wie es mir geht. Das war das erste Mal, dass ich zugelassen hab, dass meine innere Stimme sagt: „Scheiße geht’s mir. Ich bin querschnittsgelähmt. Ich will das nicht.“ Da hat der Heilungsprozess begonnen. Eigentlich wartet das Leben nur, dass Geist und Körper zusammenfinden und jeder seinen für sich bestimmten Weg findet, dann wird man glückselig. Das Ventil waren für mich Sport und Glauben. Ich habe wieder angefangen, mich auf ein Ziel zuzubewegen, zu trainieren. Dann habe ich den Sturz von Hermann Maier gesehen. Ich hab gedacht, der ist hin. Drei Tage später wurde er Olympiasieger im Super G. Gott bewegt dich mit Gänsehaut mit Schmetterlingen im Bauch. Du musst deinen Weg authentisch gehen, dann wirst du immer besser in dem, was du machst. Das ist unweigerlich.

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