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Volkskrankheiten

Der beste Trumpf bei MS ist eine korrekte Diagnose

Foto: Esteban Lopez via unsplash

Prof. Dr. Christian Enzinger

Medizinische Universität Graz Universitätsklinik für Neurologie Klinische Abteilung Allgemeine Neurologie

Der Experte Univ.-Prof. Dr. Christian Enzinger von der MedUni Graz klärt über die unterschiedlichen Verlaufsformen der Multiplen Sklerose und die Relevanz personalisierter Therapien auf.

Welche Verlaufsformen gibt es bei der Multiplen Sklerose? 

Am häufigsten ist die schubförmige Verlaufsform, die, wie der Name schon sagt, in Erkrankungsschüben verläuft. Diese sind definiert durch Phasen einer neurologischen Verschlechterung – das heißt Seh-, Gefühls-, Gleichgewichts- oder Sensomotorikstörungen – von mindestens 24 Stunden. Diese Form kann bei nicht ausreichender Behandlung in eine sekundär progrediente Verlaufsform übergehen, die dadurch gekennzeichnet ist, dass zwischen den Schüben keine dauerhafte Erholung der neurologischen Funktionen mehr zu verzeichnen ist. Das heißt, die neurologischen Defizite nehmen schleichend und fortschreitend zu. Die seltenste und bislang kaum behandelbare Verlaufsform ist die primär progrediente MS. Diese zumeist ältere Personen betreffende Form ist heimtückischer, weil sie von Beginn an ohne Schübe verläuft und es oftmals relativ lange dauert, bis eine Diagnose gestellt werden kann.

Ich erlebe, dass Betroffene enorm erleichtert sind, wenn die diagnostische Unsicherheit wegfällt.

Inwiefern machen diese Typen einen Unterschied im Rahmen der Therapieentscheidung?

Es ist wichtig, von Anfang an nicht nur zu wissen, welcher Phänotyp der Erkrankung vorliegt, sondern auch möglichst viele Entscheidungsgrößen mit zu bedenken. In der Behandlung von MS arbeiten wir ganz stark in Richtung personalisierte Medizin. Daher ist es entscheidend, ein informiertes Bild zu erhalten. Das setzt natürlich einen sehr kommunikationsintensiven Prozess voraus. In einem Erstgespräch ist es daher wichtig, einerseits über die Erkrankung aufzuklären – auch um Patient(inn)en klarzumachen, dass MS mittlerweile sehr gut behandelbar ist – und andererseits Betroffenen aufzuzeigen, was sie selbst tun können, damit die Erkrankung besser verläuft.

Welchen Einfluss hat dabei eine frühzeitige Diagnose?

Wir diagnostizieren heute sehr viel früher als noch vor einigen Jahren und haben verschiedene potente Medikamente. Wir erheben eine systematische und sorgfältige Anamnese, und beziehen Informationen aus der Magnetresonanztomographie und Nervenwasseranalyse ein, um eine sichere Diagnose zu erstellen. Denn der beste Trumpf in der Therapie jeder Erkrankung ist die korrekte Diagnose. Ich erlebe, dass Betroffene enorm erleichtert sind, wenn diese diagnostische Unsicherheit wegfällt. Ein ausführliches Erstgespräch bereitet die Grundlage für die Entscheidung, welche Therapie am besten zu den Patient(inn)en passt.

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