Home » Dermatologie » Das Lipödem richtig erkennen
Anzeige
Dermatologie

Das Lipödem richtig erkennen

Foto: Polina Tankilevitch via Pexels
Sponsored by
Foto: Polina Tankilevitch via Pexels
Sponsored by

Dr. med. univ. Renato Georg Kasseroller

Allgemeinmediziner, Schwerpunkt Lymphologie

Der Allgemeinmediziner mit dem Schwerpunkt Lymphologie, Dr. Renato Kasseroller, spricht über das Lipödem und erklärt, warum eine Diät für Betroffene aussichtslos ist.

Herr Dr. Kasseroller, was ist ein Lipödem eigentlich?

Das Lipödem ist eine krankhafte Vermehrung des Fettgewebes an bestimmten Stellen des Körpers. Mit Übergewicht hat es aber nichts zu tun, es ist eine rein genetische Angelegenheit. 

Kann grundsätzlich jeder davon betroffen sein?

Nein, mit dem Lipödem kommt man auf die Welt, das hat man in den Genen oder nicht. Es sind aber fast nur Frauen betroffen. Männliche Lipödempatienten sind bekannt, aber sehr selten. 

Wie erkennt man ein Lipödem?

An charakteristischen Fettvermehrungen. Diese entstehen vorwiegend an den Beinen, vom Beckenkamm nach unten, und enden beim Sprunggelenk. Vorfuß und Zehen sind nie betroffen. Auch an den Armen kann das Lipödem auftreten und das Fett sich auch vermehrt von den Schultern in Richtung Wirbelsäule anlagern. An den Beinen tritt es aber eindeutig häufiger auf. Bauchfett hingegen ist immer Adipositasfett, kein Lipödem. 

Also kann man es nur optisch erkennen?

Nein, das Lipödem tut auch weh und ist sehr druckempfindlich. Das diagnostische Kriterium dazu ist der sogenannte Kneiftest. Normalerweise ist die Innenseite des Oberschenkels empfindlicher als die Außenseite, beim Lipödem ist das genau umgekehrt. Und jetzt gibt es auch neue Untersuchungstechniken, mit denen die Diagnose objektivierbar ist. 


Welche wären das?

Wenn man das Bauchfett mit zwei Fingern zu einer Falte zusammendrückt, muss die Fettfalte am Bauch größer sein als die Fettfalte am Oberschenkel. Beim Lipödem ist auch das genau umgekehrt. Und drei Querfinger oberhalb des Knöchels sollte die subkutane Fettschicht, mit Ultraschall einfach zu messen, dünner als 1,2 Zentimeter sein. Selbst bei stark Übergewichtigen ist die Fettschicht an dieser Stelle dünner. Beim Lipödem kann sie bis zu drei Zentimeter dick sein. Aber die eindeutigste Diagnose ist heute die Ultraschalluntersuchung mit standardisiertem Druckverfahren. Denn normales Fett ist bis zu 35 Prozent, Lipödemfett nur bis zu zehn Prozent komprimierbar. 


Gibt es eine Behandlungsmöglichkeit?

Ja, man kann das Lipödem nur operativ loswerden. Dabei werden die Fettzellen abgesaugt. Diäten oder Abnehmversuche helfen nicht. Denn Übergewicht ist eine Vergrößerung der Fettzellen. Mit einer Diät entziehe ich dem Körper das eingelagerte Fett, die Fettzellen werden kleiner. Aber die Menge bleibt gleich, und diese ist beim Lipödem erhöht. Daher nutzt eine Diät beim Lipödem gar nichts. Interessant ist auch, dass die Vermehrung des Fettgewebes mit dem 30. Lebensjahr beendet ist. Daher ist die ideale Zeit, um es abzusaugen, zwischen 30 und 40. Dann kommt es nicht mehr wieder. Nur wenn der Leidensdruck zu groß ist, sollte man es vorher machen. 

Anzeige
Nächster Artikel