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Karl Merkatz wird 90, aber nicht alt

Erinnerungsreise der Familie in die alte Heimat Hamburg. Karl, Martha, Josefine, Brigitta. Foto: zvg

Karl Merkatz

Im November feiert der Publikumsliebling seinen 90. Geburtstag. Anders als die von ihm verkörperten Grantler lässt es der vielseitige Schauspieler lieber ruhig angehen. Laut wird es nur manchmal in der Tischlerwerkstatt.

Herr Merkatz, ich habe gelesen, dass Sie Ihre Geburtstage nicht groß feiern. Werden Sie dieses Mal eine Ausnahme machen?

Nein (lacht). Das tun wir im Grunde nicht. Ich habe nur einmal den 75. gefeiert. Aber es werden schon ein paar Freunde kommen. Die Familie, die Töchter und die Enkerl werden da sein. Aber keine große Geburtstagsparty. Vielleicht kommt die Musikkapelle vorbei und spielt mir ein Ständchen.

Viele Ihrer bekannten Figuren sind ja ausgesprochene Grantler. Sie selbst wirken aber immer sehr besonnen.

Das ist die Figur! Ich bin das ja nicht. Man probt das ja sechs oder acht Wochen lang am Theater. Die letzten acht Tage vor der Premiere hat man die Figur dann meistens schon sehr weit in sich. Das ist dann für meine Frau nicht immer gut auszuhalten, wenn ich dann ein ganz anderer Mensch geworden bin.

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Mit welcher Figur hat Ihre Frau denn die größten Probleme gehabt?

(lacht) Das weiß ich nicht. Sie hat mir da dann auch immer meine Ruhe gelassen. Man spinnt einfach ein bisschen in dieser Zeit. Ich weiß auch gar nicht mehr, was ich alles gespielt habe. Das hat irgendjemand einmal zusammengeschrieben. Da sind Dinge dabei, wo ich selbst staune, dass ich das mal gespielt habe. So ist das. Das Theater ist das Leben.

Gibt es auch Sachen, die Sie am Theater gestört haben?

Ich war über 20 Jahre unter Vertrag. Da hatte ich dann irgendwann genug, das zu machen, was ein Regisseur sagt. Wenn er sagt: „Geh links“, musst du links gehen, obwohl du rechts gehen würdest. Man muss sich beugen. Man kann die Figur, die man spielt, aber nicht beugen. Man muss sie erfüllen – mit dem eigenen Leben, dem seelischen Empfinden zusammenfügen, damit sie Fleisch wird. Das sind halt so Sachen im Theater. Ich habe nichts dagegen, wenn es einmal schlecht geht, und schon gar nicht, wenn es gut geht. Das ist eine Freude – gut, okay. Man hat es gemacht, aber man ruht sich nicht darauf aus. Man darf aber auch nicht überschnappen, wenn es sehr gut geht.

Wann hat Ihre Leidenschaft für das Theater begonnen?

Mit elf, zwölf Jahren habe ich begonnen, Kasperltheater zu machen. Da bin ich immer zu einem Tischler und habe Holz für die Figuren geholt. Das waren die ersten Anfänge, und dann kam das Bedürfnis weiterzumachen.

Hat das Arbeiten mit Holz auch zu Ihrer späteren Tischlerlehre geführt?

Meine Mutter hat gesagt: „Schauspieler ist ein Hungerleiderberuf. Du wirst Tischler.“ Vorm Meister bin ich dann aber abgesprungen zum Theater. Da kam das erste Engagement nach Heilbronn. Da habe ich dann auch gleich meine Frau Martha kennengelernt. Jetzt sind wir seit 63 Jahren verheiratet, haben ein glückliches Leben und sind mittlerweile auch Urgroßeltern geworden. So geht die Zeit dahin und man wird älter.


Wie erleben Sie das Älterwerden?

Das spielt an sich keine Rolle. Denn heute bin ich so, und bin ich morgen dann älter als heute? Jeder Tag ist einer, der neu dazukommt. Alt ist man erst, wenn man aufhört. Wenn ein Möbelstück alt ist, sagt man, das ist eine alte Biedermeierkommode. Aber ich bin ja keine Kommode.

Wie halten Sie sich fit und aktiv?

Fit halte ich mich in diesem Sinne gar nicht mit Absicht. Ich gehe in meine Werkstatt – ich habe mir da eine kleine Tischlerei eingerichtet – und arbeite da an Sachen, die mir eine Freude machen. Ich repariere und restauriere antike Sachen oder arbeite mit Intarsien. Das ist mein Ausgleich. Gerade mache ich etwas mit Ahorn, das ist aber noch im Entstehen. Na ja, wir werden sehen, was ich da zusammenbringe. Ich weiß auch nicht, ob ich heute noch dazu komme, weil ich noch einen Text einsprechen soll.         

Das wirkt so, als wären Sie nach wie vor gut ausgelastet.

Das muss man sein. Wenn es ein bisserl luftig ist und ich herumsitze, das ist nicht ganz das Richtige. Darum bin ich am Abend auch mit einem Freund verabredet. Das geht schon 20 Jahre so, dass wir uns immer am Montag treffen und bei einem Glaserl Wein über das nicht ganz so Notwendige plaudern.

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