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Leben mit Demenz

Foto: PIKSEL via iStock

Univ.-Prof. Dr. med. Peter Dal-Bianco

FA. Neurologie & Psychiatrie, Medizinische Universität Wien, em. Präsident der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft

Eine Diagnose, die alles verändert. Wie man es schafft, aktiv zu bleiben und den Verlauf zu verlangsamen.

Was verändert sich für einen Betroffenen nach der Diagnose Demenz?

Das hängt stark von der Situation ab, etwa auch davon, wie alt der Patient bei der Diagnose ist und in welcher Lebenslage er sich befindet – leitet er etwa eine Firma, ist er schon in Pension und anderes. Durch die Krankheit werden neue Informationen immer schwieriger verarbeitet. Die Betroffenen und ihr Umfeld müssen also den Umgang damit lernen.

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Wie kann man einer möglichen Erkrankung aktiv vorbeugen?

Es gibt einige Risikofaktoren, die das frühere Auftreten der Krankheit begünstigen. Wirklich verhindern lässt sie sich nicht, aber der klinische Teil kann um bis zu fünf Jahre verzögert werden. Besonders wichtig ist der Bildungsweg, aber auch die lebenslange Neugierde. Dazulernen lässt neue Synapsen entstehen. Sehr wichtig ist auch das Gehör, weil Schwerhörigkeit ein Risikofaktor ist, ebenso Bluthochdruck und Fettleibigkeit. An diesen Dingen zu arbeiten, kann den Ausbruch der klinischen Demenzsymptome verzögern.

Wer schon erkrankt ist: Wie kann ich aktiv bleiben und den Verlauf verlangsamen?

Da geht es wieder um die zuvor genannten Dinge: Sozial aktiv bleiben, Freunde treffen, sich interessieren. Dazu gesunde Ernährung, besonders mediterrane Kost, Obst, Fisch, Gemüse. Keinesfalls sollte man sich zurückziehen, denn die Vereinsamung kann eine Abwärtsspirale bedeuten. Patienten sollten auch nicht davor zurückschrecken, Brillen und Hörgeräte zu tragen, denn die erleichtern natürlich einen aktiveren Lebensstil.

Wie können Betroffene und Angehörige Positives aus der Situation schöpfen?

So absurd die Frage klingt, so berechtigt ist sie. Voraussetzung ist immer, dass man nicht mit der Situation hadert, sondern sie akzeptiert und einen positiven Zugang dazu findet. Ich kenne Paare, die im Verlauf der Demenz eines der Partner noch einmal näher zusammengefunden haben, andere haben endlich die Reisen unternommen, die sie schon immer machen wollten.

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