Home » Golden Agers » Physiotherapie für den Beckenboden – Lebensqualität aus der Körpermitte
Golden Agers

Physiotherapie für den Beckenboden – Lebensqualität aus der Körpermitte

Mature couple in upward salute yoga pose outdoors. Side view. Horizontal.
Mature couple in upward salute yoga pose outdoors. Side view. Horizontal.
iStock/Aja Koska

Eine Million Menschen in Österreich leiden unter einer Blasen- oder Darmschwäche, Senkungsbeschwerden, Sexualproblemen oder Schmerzen im Beckenbereich. Physiotherapie hilft!

avatar

Michaela Zechner, BSc

freiberufliche Physiotherapeutin mit den Schwerpunkten Beckenboden und Atemphysiotherapie

Für viele Menschen sind Probleme im Intimbereich noch immer ein Tabuthema. Betroffene isolieren sich aus Scham oft selbst und wissen nicht, an wen sie sich wenden können. Der Beckenbereich kann bei jedem Geschlecht und in jedem Alter Beschwerden machen. Zum Beispiel ist die Annahme, dass Blasenschwäche im Alter unabwendbar ist und man nichts dagegen tun kann, falsch. Inkontinenz kann viele Ursachen haben – und viele davon lassen sich mithilfe einer gezielten Physiotherapie beheben. Jede vierte Frau und jeder zehnte Mann sind im Laufe des Lebens von unfreiwilligem Harnverlust betroffen.

Verschiedene Arten der Inkontinenz

Bei Frauen kann Inkontinenz in jedem Alter auftreten: Oft haben junge Sportlerinnen bereits Schwierigkeiten, Harn zu halten. Nach Geburten und ab den Wechseljahren steigt die Wahrscheinlichkeit, als Frau betroffen zu sein. Bei Männern zeigt sich Harninkontinenz meist in Zusammenhang mit Prostatabeschwerden bzw. -operationen und im hohen Alter.

Der unfreiwillige Verlust von Darminhalt (Winde oder Stuhl) ist für Betroffene aufgrund der Geruchsbelastung ein schwerwiegendes Problem. Stuhlinkontinenz bedeutet, dass die Betroffenen bei Stuhldrang nicht rechtzeitig eine Toilette erreichen oder eine Verschmutzung ihrer Unterwäsche feststellen müssen, ohne vorher Stuhldrang verspürt zu haben. Betroffene sind auch hier mit ihrem Schicksal keinesfalls allein: Allein in Wien kommen auf 1,8 Millionen ungefähr 75.000 Menschen mit Stuhlinkontinenz. Frauen sind dabei – meist aufgrund von Geburtsverletzungen – erneut häufiger betroffen als Männer. Mit dem Alter ist die Häufigkeit unabhängig vom Geschlecht steigend.

Behandlung des Beckenbodens

Im Rahmen der physiotherapeutischen Behandlung werden neben einer genauen Befragung zu Ihrer aktuellen Situation und spezifischen Assessments auch eine Analyse der Bewegungsmuster und der Atmung durchgeführt. Um die Funktion des Beckenbodens genau einschätzen zu können, ertasten und behandeln PhysiotherapeutInnen mit entsprechender Weiterbildung diesen auch direkt im Inneren des Körpers – also vaginal und/oder rektal.

Therapie und Training

Die Physiotherapie zeichnet sich dadurch aus, dass Alltagsprobleme und Funktionseinschränkungen genau erkannt und ihre Zusammenhänge erfasst werden. Daraus werden individuelle und ganzheitliche Therapieprogramme erstellt. PatientInnen erhalten professionelle Ratschläge und Strategien für den Alltag. Zusätzlich zum aktiven Beckenboden- und Schließmuskeltraining wird das Gewebe mit speziellen physiotherapeutischen Behandlungstechniken unterstützt. Außerdem spielen Körperwahrnehmung und Entspannung eine wichtige Rolle. Der Vorteil bei der Beckenbodenkräftigung ist, dass sie immer und überall – ohne für andere bemerkbar zu sein – durchgeführt werden kann. Sie ist also gut in den Alltag zu integrieren. Wichtig dabei ist jedoch die richtige Aktivierung des Beckenbodens.

Folgenreiche Wirkung

Das Erlernen und Kontrollieren der richtigen Aktivierung macht die Behandlung der Physiotherapie so wertvoll: Das Erstellen eines individuellen und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Therapieplanes unterscheidet die Physiotherapie so stark von zahlreich angebotenen Beckenbodengymnastikgruppen im Wellness- und Fitnessbereich. Nach Geburten oder bei bestehenden Beschwerden raten wir zu einer Abklärung und Therapie bei PhysiotherapeutInnen, die schwerpunktmäßig im Bereich Beckenboden tätig sind, um falschem Üben und Folgebeschwerden vorzubeugen.

Next article