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Intoleranzen

Anspruchsvoller Stoffwechsel

Foods that cause allergies. Allergy food concept
Foods that cause allergies. Allergy food concept
iStock/colnihko

Der menschliche Körper ist ein Wunderwerk komplexer Vorgänge. Schwierig wird’s, wenn er Vorurteile bzw. Abneigung gegen bestimmte Stoffe entwickelt. Ein Gespräch mit Ao. Univ.-Prof. Dr. Heinz Hammer von der medizinischen Universität Graz.

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Univ. Prof. Dr. Heinz Hammer

Medizinische Universitätsklinik Graz © Foto: Vanessa Hammer

Wie unterscheidet sich eine Intoleranz von einer Allergie?

Allergien sind dosisunabhängig, Intoleranzen sind dosisabhängig. Es gibt große Unterschiede in der Verträglichkeit.

Was genau versteht man unter diesen Begriffen: Laktose-, Fruktose- und Histaminintoleranz?

Bei Laktoseintoleranz kann der Milchzucker aufgrund eines Enzymmangels nicht verdaut werden. Bei Intoleranz von Fruktose kann der in zu hohen Mengen verzehrte Fruchtzucker (Fruktose) nur zum Teil im Dünndarm aufgenommen werden. Die Histaminintoleranz entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen dem mit Nahrungsmitteln zugeführten Histamin und dem histaminabbauenden Enzym Diaminoxidase (DAO).

Gibt es typische Symptome, an denen sich eine Intoleranz erkennen lässt?

Bei Kohlehydratintoleranzen sind es Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall. Histaminintoleranz kann zusätzlich zu Hautausschlägen, rinnender Nase, Kopfschmerzen und Herzklopfen führen.

Intoleranzen wird oft keine große Ernsthaftigkeit beigemessen. Gibt es Risiken und Folgen, welche unterschätzt werden?

Intoleranzen schränken die Lebensqualität ein, können zu Krankenständen führen und die Lebenshaltungskosten erhöhen. Das größte Risiko ist, irrtümlicherweise eine Intoleranz anzunehmen, wenn in Wirklichkeit eine andere Erkrankung vorliegt, z.B. eine Fettintoleranz bei Gallensteinerkrankung.

Wie wird diagnostiziert und an wen sollten sich Betroffene an erster Stelle wenden?

Die Diagnose erfolgt durch Analyse der Zusammenhänge zwischen Nahrungsaufnahme (Art und Menge) und Symptomen, z.B. mittels Fragebögen. Ein an den MedUnis Graz und Wien entwickelter Fragebogen wird als App in Kürze zur Verfügung  stehen. Der Beweis erfolgt durch Verschwinden der Symptome nach Weglassen des Nahrungsmittels und neuerliches Auftreten der Symptome bei Wiederverwendung. Blutuntersuchungen oder Atemtests können eine Intoleranz jedoch nicht beweisen.

Sind Intoleranzen heilbar? Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Wenn eine behandelbare Erkrankung ausgeschlossen wurde, besteht die Therapie in der Reduktion des schuldigen Nahrungsmittels – ein kompletter Verzicht ist üblicherweise nicht notwendig. Medikamentös kann unterstützt werden durch Ersatz der fehlenden Laktase, mit Xylose-Isomerase oder mit Diaminoxidase.


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