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Lunge und ihre krankheitsfreie Entwicklung

Foto: Natali_Mis via iStock

Prim. Dr. Sylvia Hartl, MBA

Klinik Penzing, Leiterin der Lungenabteilung Wien

Atmen ist nicht selbstverständlich. Was muss ich tun, damit ich eine gesunde Lunge habe? 

Mit dem 21. Lebensjahr ist unsere Lunge ausgewachsen und kann sich als einziges Organ nicht regenerieren. In Ihrer Langzeitstudie begleiten Sie Personen ab dem sechsten Lebensjahr. Warum ist das so besonders, und was konnten Sie bis jetzt beobachten? 

Die Lungen sind bei der Geburt komplett angelegt – aber sie müssen circa bis zum 21. Lebensjahr wachsen und, da sie ein Umweltorgan sind, ein spezifisches Immunsystem entwickeln, das an die Lebensbedingungen des Einzelnen angepasst ist. Unsere Gesundheitsstudie des Instituts für Lungengesundheit der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (www.leadstudy.at) untersucht daher eine Bevölkerungsstichprobe alle vier Jahre auf unterschiedlichste Risikofaktoren und misst sehr detailliert die Lungenfunktion. Wir beginnen mit Kindern im Alter von sechs Jahren, da wir so das Lungenwachstum begleiten können und die Sechsjährigen schon exzellent mitarbeiten für aussagekräftige Ergebnisse zu ihren Atemfunktionen. Daher wissen wir bereits, dass knapp fünf Prozent der Kinder eine nicht normale, altersentsprechende Lungenkapazität zeigen. Das gilt als Risikofaktor für die Krankheitsentwicklung im Erwachsenenalter (über 40 Jahre). Aus Langzeitstudien wissen wir allerdings, dass dieses Risiko beeinflusst werden kann! Daher ist es ein wichtiges Ziel der Lungengesundheitsstudie, die Risikogruppen zu erkennen und anhand von personalisierten Risikoprofilen gezielte Gegenstrategien zu entwickeln, um bis zum Ende des Lungenwachstums das Defizit aufzuholen. Es gibt bereits bei der Geburt genetische Risikofaktoren, aber die Lungenentwicklung während der Schwangerschaft und danach wird zu einem großen Teil durch die Lebensbedingungen bestimmt. Luftqualität (innen und außen), Allergien, Ernährung, Bewegung, Rauchen oder andere Drogen (zum Beispiel Alkohol) und Infektionen spielen eine große Rolle und bieten gleichzeitig die Chance zum Eingreifen. Jedes Kind soll sein Lungenrisiko kennen – daran arbeiten wir mit unserer Forschung. 

Atmen ist nicht selbstverständlich, das merken Betroffene spätestens, wenn ihnen aufgrund einer Asthmaerkrankung die Luft wegbleibt. Warum ist es so wichtig, sich umfangreich testen zu lassen und einem Phänotyp zugeteilt zu werden? Stichwort: Präzisionsmedizin.

Die Lungen sind ein Umweltorgan mit einem hoch spezialisierten Immunsystem! Bei einigen Erkrankungen, wie bei Asthma, kann sich das Immunsystem überschießend verhalten. Diese Abwehrmechanismen führen dann zu Verengung der Atemwege und zäher Schleimproduktion, die schwere Atemnot bis zum lebensbedrohlichen Atemversagen auslösen. Die Krankheit kann sehr unterschiedliche Auslöser haben – das hat Auswirkungen darauf, wie leicht oder schwierig das Asthma zu behandeln sein wird. Daher ist es wichtig, dass jeder Asthmapatient so präzise wie möglich untersucht und „typisiert“ wird und ein persönliches Konzept aus Vermeidung, medikamentöser Behandlung und angepasstem Lebensstil bis hin zur Berufsausübung erhält. Nur so ist ein „normales“ Leben mit Asthma möglich, das nicht jeden Tag mit dem Kampf gegen Atemnot beginnt. Symptombekämpfung mit bronchienerweiternden Sprays bringt Erleichterung, ist aber falsch, weil zu wenig!

Wir sind so weit, dass wir nicht mehr die gleiche Medizin über alle gießen. Dadurch erzielen wir bessere Erfolge und verhindern unnötige Nebenwirkungen von nutzlosen Behandlungen. Cortison ist so ein Beispiel – ein Segen, wenn richtig eingesetzt, aber nur für jene, die es brauchen. Die tieferen Erkenntnisse der Zelldiagnostik machen es möglich, die Erkrankungen zu präzisieren. Dann wissen wir, wann gezielte Medikamente (Biologika) Mechanismen auf Zellebene ausschalten können. Eine Behandlung, die dann bestimmten Patienten nachhaltig hilft.

Was kann ich tun, damit meine Lunge gesund wächst und mein genetisches Risiko sich nicht unbedingt verwirklicht?

Untersuchungen der Lungenfunktion bereits ab dem Schulalter. Vermeiden, was der Lunge schadet: allgemeine Schadstoffe (Zigaretten, Verkehr, Dämpfe aller Art) und das persönliche Risiko (zum Beispiel Allergien, Impfen). 

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