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Lungenfibrose: Ein Leidensbericht

Foto: Getty Images

Mahmoud Lamine

Lebt seit 1964 in Europa. Studium der Soziologie und Sozialpsychologie in Bremen. Lehraufträge für Sozialpsychologie an der Universität Bremen. Seit 1986 Journalist und Rundfunk-Feature- Autor.

Die Geschichte meiner idiopathischen Lungenfibrose dürfte im Sommer des Jahres 2015 ihren Anfang genommen haben. 

Zu dieser Zeit suche ich – wegen Husten – meine Hausärztin auf. Sie stellt eine Lungenentzündung fest und verschreibt Antibiotika. Der Husten bleibt. Ich begebe mich auf eine Lungenärzte-Odyssee. Die Diagnose eines Lungenfacharztes in Niederösterreich: „Lunge gesund, keinerlei Spuren von Lungenentzündung.“ Gegen den Husten verschreibt er Thymiantee. 

Ich gehe zu einer weiteren Lungenfachärztin: Röntgenaufnahmen, Abhorchen. Meine Lunge sei okay, der Husten könne im Zusammenhang mit Sodbrennen und Reflux auftreten. 

Frühling 2017: erstes spürbares Zeichen einer Kurzatmigkeit. Ich suche eine Lungenfachärztin auf. Sie verschreibt mir ein Cortisonspray. Herbst 2017: Ein Lungenfacharzt in Wien stellt eine Lungenentzündung fest und verschreibt Antibiotika. Die bakterielle Entzündung ist weg, der Reizhusten bleibt.

Juni 2018: Aufsuchen einer weiteren Lungenfachärztin. Etwas stimmt nicht: Das Röntgenbild zeigt einzelne weiße Flecken. Sie lässt eine hochauflösende Computertomografie meiner Lunge durchführen. Der Verdacht auf Lungenfibrose drängt sich auf.

10. September 2018: Mein Fall wird im AKH Wien vorgestellt. In der Fallkonferenz wird beschlossen, dass die Computertomografie ein typisches Muster aufweist. Die Diagnose ist nun sicher, idiopathische Lungenfibrose. Die Ärztin tröstet mich: „Die Krankheit ist noch unheilbar, aber es gibt Medikamente, die die Progression verzögern.“ Sie überweist mich an einen Kollegen, der eine Kontrolle meiner Lungenfunktion durchführt und ein antifibrotisches Medikament verschreibt. Seit September 2018 gehe ich im Abstand von vier Monaten zur Lungenfunktionskontrolle. Nach 14 Monaten Medikamenteneinnahme kommt es kaum zum Fortschreiten der Lungenvernarbung. Das stimmt mich optimistisch. 

Ja, ich bin kurzatmig, habe einen lästigen Husten, fühle mich müde, doch es macht mich froh, dass die bedrohliche Fibrose nicht vom Fleck kommt. Bis zu den nächsten Lungenfunktionsdaten versuche ich, mich zu bewegen, gesund zu essen und viel zu schlafen. Leider weiß ich aufgrund der Pandemie nicht, wann ich zu meiner nächsten Lungenfunktionskontrolle gehen kann.

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