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Schlaf und Erholung

Bei aller Liebe – das Haustier muss raus aus dem Bett!

Photo: torwai via iStock

Univ.-Prof. Dr.med. Erika Jensen-Jarolim

Präsidentin der Österr. Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI)

Photo: ©Meduni-Felicitas Matern

Die Allergologin und Fachärztin für Immunologie Univ.-Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim erklärt, warum Allergien Schlafräuber sind und was Sie selbst für einen besseren Schlaf trotz Allergie tun können. 

Univ.-Prof. Dr. Jensen-Jarolim, wie rauben Hausstaub- und Tierhaarallergie Allergikern den Schlaf? 

Wir schlafen niemals allein. Hausstaubmilben lieben das feucht-warme Klima in unseren Betten, sie finden sich dort zu Millionen. Und das kuschelige Fell unserer Haustiere ist ein wahres „Milbentaxi“. Zudem bringen unsere geliebten Vierbeiner selbst allergene Stoffe mit, und zwar im Urin bzw. Speichel, der am Tierhaar haftet und – noch am Tier oder bereits ausgefallen – in der ganzen Wohnung landet. 

Allergiker reagieren auf die Milbenkörper und die Sekrete, die Milben und/oder Haustiere abgeben: Ihre Nase schwillt zu, sie bekommen schlechter Luft, können nicht ein- oder durchschlafen. Auf Dauer schwächt das Betroffene grundlegend, ihre körperliche wie geistige Leistungsfähigkeit leidet. Der fehlende Schlaf schlägt sich auch aufs Gemüt, schlimmstenfalls drohen sogar Depressionen. Und nicht zu vergessen: Die Beziehungen der Allergiker leiden, denn die Schnarchgeräusche, die sie machen, rauben nicht selten auch anderen Personen den Schlaf. 

Wie kommen Allergiker zu ihrem gesunden Schlaf?

Sowohl die Tierhaar- als auch die Hausstauballergie sind inzwischen gut erforscht. Wir wissen, was sie auslöst und wie sie verlaufen. Mit Gegenmaßnahmen können wir daher gezielt ansetzen – und zwar bei den Verursachern: Hausstaubmilben gibt es überall. Und anders als früher wissen wir heute, dass sie vergleichsweise resistent sind. Mit Kälte kommt man ihnen kaum bei, das Hausmittel „Bettwäsche ins Eisfach“ können Sie also getrost vergessen. Stattdessen hilft es, das Bettzeug mit spezieller Milbenbettwäsche (sogenanntes Encasing) zu beziehen und das Bett am Morgen weit aufzuschlagen, damit es tagsüber gut auslüftet. Auch die Räume sind regelmäßig und gründlich zu lüften. Und bei aller Liebe zum Haustier, im Schlafzimmer hat es nichts zu suchen! Das gilt übrigens auch für den Kleintierkäfig im Kinderzimmer.

Und wenn das noch nicht hilft?

Antiallergika verhelfen – vor dem Schlafengehen eingenommen – zu besserem Schlaf und – morgens eingenommen – zu weniger starken Reaktionen, aber die Ursache der Allergie bekämpfen sie nicht. Suchen Sie deshalb unbedingt einen Facharzt auf, der diese herausfindet und Ihnen hilft, Ihre Allergie maßgeschneidert zu behandeln und den Alltag zu bewältigen.

Um das Immunsystem toleranter gegenüber Allergieauslösern zu machen, hat sich eine Desensibilisierung bewährt. Dabei werden zum Beispiel Hausstaubmilbenextrakte gespritzt oder oral verabreicht. Jüngste Forschungen geben zudem Anlass zur Hoffnung, dass wir den sogenannten Bauernhof-Effekt auch ohne Bauernhof erzielen können. Das heißt, wir verschaffen Allergikern den Bauernhof-Schutzfaktor gegen Allergien, den Menschen nachweislich besitzen, die auf einem Bauernhof aufgewachsen sind. Das kann mit ergänzender bilanzierter Diät in Form einer Lutschtablette realisiert werden. Klinische Studien mit einem Kuhprotein und dessen allergieregulierende Wirkung auf das Darmmikrobiom wurden an Pollen – und HausstaubmilbenallergikerInnen in Österreich und Deutschland bereits erfolgreich durchgeführt. 

Vielen Dank, Univ.-Prof. Dr. Jensen-Jarolim, für dieses spannende Gespräch!

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