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Sehen und Hören

Augenarzt & Optiker

Photo: Wesley Tingey via Unsplash

Dr. Peter Gorka

Facharzt für Augenheilkunde & Optometrie in
St. Pölten und Fachgruppenobmann NÖ

Gute Beratung für die Patienten. Als Endverbraucher ist man angewiesen auf kompetente Experten, um die richtigen Entscheidungen für die eigene Augengesundheit treffen zu können.

Wie läuft die Untersuchung beim Augenarzt ab?

Dr. Gorka: Die augenärztliche Untersuchung umfasst einen Sehtest, einen Test der Naheinstellungsfähigkeit, den Farbsinntest und den Test des Muskelgleichgewichts. Darüber hinaus untersuchen wir alle Augenabschnitte mithilfe des Spaltlampen-Biomikroskops und Speziallinsen. Dafür müssen die Pupillen meist mit Augentropfen erweitert werden. Falls es notwendig ist, werden weitere spezielle Untersuchungen, z. B. des Gesichtsfelds veranlasst.

In den letzten Jahren wurden bildgebende Verfahren wie die Laserscanning-Ophthalmoskopie und die optische Kohärenztomografie (OCT) entwickelt, die völlig neue Einblicke in kleinste Strukturen der Netzhaut und des Augenvorderabschnittes ermöglichen. Diese hochmoderne Diagnostik trägt dazu bei, dass die meisten Augenkrankheiten schon in ihren Vorstufen entdeckt werden können. Gerade in diesen Vorstufen oder symptomlosen Stadien ist die Behandlung durch Augenärzte oft besonders wirksam. Wir richten unsere Anstrengungen daher zunehmend darauf aus, nicht nur Krankheiten zu behandeln, sondern die Gesundheit der Augen erhalten zu können.

Die Augenkrankheiten, die für die meisten Erblindungen verantwortlich sind, nehmen mit dem Alter an Häufigkeit zu. Wegen der demographischen Entwicklung rechnen wir daher bis zum Jahr 2030 mit einer um zehn Prozent steigenden Nachfrage nach Leistungen der Augenheilkunde.

Weitere Informationen zu Untersuchungsmethoden finden Sie auf der Website der ÖOG: www.augen.at/a-bis-z-der-augengesundheit/untersuchungsmethoden.php

Was zeichnet die augenärztliche Untersuchung aus?

Dr. Gorka: Besonders wichtig ist das Eintropfen der Augen, vor allem bei der Brillenverordnung von Kindern und der Untersuchung der Netzhaut von Erwachsenen. Durch das eingetropfte Medikament werden die inneren Augenmuskeln entspannt. Damit kann die Brechkraft (Dioptrien) der Augen besonders genau gemessen werden. Andererseits werden dadurch die Pupillen erweitert, was dem Augenarzt eine Beurteilung des Augeninneren und der Netzhaut ermöglicht. Ohne Eintropfen kann eine Weitsichtigkeit von Kindern jahrelang unerkannt bleiben, was ein erhöhtes Risiko von Schwachsichtigkeit und Schielen nach sich ziehen kann.
(Weitere Informationen dazu unter: https://www.augen.at/a-bis-z-der-augengesundheit/augen-eintropfen.php )

Wie ergänzen sich Augenarzt und Optiker?

Dr. Gorka: Neben einer gründlichen augenärztlichen Untersuchung spielt für die richtige Brillenauswahl auch die gute Beratung durch den Optikerfachbetrieb eine wichtige Rolle. Denn Optiker haben den besten Überblick über die neuesten Angebote der Händler und die Qualität der Brillen. Für jeden Brillenträger kann durch die individuelle Auswahl der Glaseigenschaften die optimale Sehqualität erreicht werden. Dieses Zusammenspiel zwischen Augenarzt und Optiker zielt darauf ab, dem Patienten schlussendlich die bestmögliche Diagnose und Beratung zukommen zu lassen. Bei uns in St. Pölten funktioniert diese Kooperation hervorragend.

Was raten Sie Kontaktlinsenträgern?

Dr. Gorka: Augenärzte erwerben in ihrer Ausbildung Kompetenz in allen verfüg- baren Korrekturmethoden von Sehfehlern inklusive Brillen, Kontaktlinsen und refraktiver Chirurgie. Sie können daher eine ausgewogene Beratung anbieten. Kontaktlinsen sind – wie in vielen Fällen die Laserkorrektur – heute eine moderne Alternative zur Brille zum Ausgleich praktisch aller Sehfehler. Sie ermöglichen ein natürliches Sehen ohne störende Gesichtsfeldeinengung. Dank moderner Linsenmaterialien und schonender Hygienesysteme ist die Anpassung gerade auch bei empfindlichen Augen in den meisten Fällen möglich. Hier positionieren sich die Augenärzte insbesondere als Spezialist für anspruchsvolle Situationen. Wichtig ist: Sicherheit gibt, anders als bei der Brille, nur die halbjährliche Kontrolle beim Anpasser!

Viele Kontaktlinsenträger schlafen mit dafür nicht geeigneten Kontaktlinsen und haben während des Tragens Kontakt mit Dusch- oder Schwimmbadwasser – dies sind die gefährlichsten Risikofaktoren für Hornhautinfektionen. Auch in Österreich sehen wir immer noch vermeidbare Erblindungen durch den Informationsmangel, vor allem beim Kauf von Linsen über das Internet. Studien zeigen, dass 80 Prozent der Träger von im Internet erworbenen Kontaktlinsen Handhabungsfehler machen. Mein Rat: diese Fehler durch ein Gespräch mit dem Kontaktlinsenspezialisten ausmerzen, zweimal jährlich die Augengesundheit durch eine kurze augenärztliche Untersuchung mit dem Mikroskop kontrollieren lassen!

Was empfehlen Sie Brillenträgern?

Dr. Gorka: Zum Ausgleich von Fehlsichtigkeiten werden je nach Elastizität des Auges und Sehanforderung unterschiedliche Brillen (Fernbrille, Nahbrille, Bifokalbrille, Trifokalbrille, Gleitsichtbrille, Nahgleitsichtbrille, prismatische Brille) verordnet. Wichtig: In verschiedenen Situationen können verschiedene Brillenarten passend sein – es kann daher durchaus neben der Verwendung einer Gleitsichtbrille auch die Verwendung einer Nahbrille und einer Bildschirmbrille sinnvoll sein. Obwohl für den Laien Brillengläser alle gleich aussehen, kann die optische Qualität sehr unterschiedlich sein. Der Optiker kann durch die Auswahl des Glasschliffes für die Verträglichkeit der Brille sorgen. Um Augenerkrankungen auszuschließen, ist – wie bereits aufgezeigt – vorher aber eine eingehende augenärztliche Untersuchung sehr wichtig. Denn: Augengesundheit ist mehr als nur gutes Sehen – ein Leben lang.

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