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Der Grüne Star (Glaukom)

Photo: Andriyko Podilnyk via Unsplash

Prim. Univ. Prof. Dr. Herbert A. Reitsamer

Vorstand Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie Salzburg Wissenschaftlicher Sekretär der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft
 

Beim Glaukom handelt es sich um eine Neurodegenerative Erkrankung des Sehnervs und der Netzhaut, die mit einer zunehmenden Einschränkung des Gesichtsfeldes einhergeht. In der EU sind derzeit etwa 12.5 Millionen Menschen am Grünen Star erkrankt – Tendenz stark steigend (+15% pro Dekade). Der Grüne Star ist vorwiegend eine Erkrankung des Alters, denn ab dem fünfzigsten Lebensjahr verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit, an einem Glaukom zu erkranken mit jedem Lebensjahrzehnt. In Österreich gibt es rund 90.000 Betroffene, davon sind 40.000 bereits sehbehindert. Durch die steigende Lebenserwartung ist in den kommenden Jahren mit bis zu 16.000 Neuerkrankungen pro Jahr zu rechnen. 

Das heimtückische am Grünen Star ist, dass er über lange Zeit symptomfrei verläuft, während jedoch bereits die Nervenfasern der Netzhaut und des Sehnervs zerstört werden. So kommt es zu sich langsam vergrößernden Gesichtsfeldausfällen – wenn diese das zentrale Gesichtsfeld erreichen, bemerken die meisten Betroffenen zwar ihre Augenprobleme, allerdings ist das Glaukom dann bereits in einem Stadium, in dem es nicht mehr gestoppt werden kann. Wegen der anfänglich fehlenden Beschwerden weiß rund die Hälfte der Betroffenen nicht, dass sie bereits an einer Krankheit leidet, die Stück für Stück ihr Augenlicht zerstört. Erst wenn die Schädigung des Gesichtsfelds das Zentrum erreicht, bemerkt der Patient die Beschwerden (z.B. Fehlen und Verschwommensehen von Bildteilen, Stolpern, Anstoßen am Türrahmen, Unsicherheit beim Autofahren und Radfahren – überraschendes Auftauchen von Personen und Gegenständen im Gesichtsfeld) und konsultiert einen Augenarzt. Zu diesem Zeitpunkt wurde aber bereits ein Großteil des Sehnervs irreversibel zerstört (>90%).

Die Früherkennung ist bei der Behandlung des Glaukoms aber entscheidend, denn je früher die Erkrankung bemerkt wird, desto mehr Sehvermögen kann erhalten werden. Heutzutage kann man das Glaukom dank moderner technischer und diagnostischer Möglichkeiten bereits in einem sehr frühen Stadium diagnostizieren. Für eine erfolgreiche Diagnose wäre es aber notwendig, dass jeder Mensch ab dem 40. Lebensjahr einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt geht. Da dies jedoch nicht der Fall ist, wird nur jedes zweite Glaukom tatsächlich auch diagnostiziert, was wiederum bedeutet, dass die Hälfte der Menschen, die am Glaukom erkrankt sind, davon gar nichts wissen. Menschen mit einer familiären Häufung des Glaukoms haben ein erhöhtes Risikom selbst daran zu erkranken. Würden alle Menschen ab dem 40. Lebensjahr einmal jährlich den Augenarzt/die Augenärztin konsultieren, könnte man die Erblindungsrate durch das Glaukom drastisch reduzieren. Die Behandlung des grünen Stars erfolgt primär durch die Senkung des Augendrucks. Diese Behandlung kann durch Augentropfen, Laser oder Operation erfolgen. Die Therapie des Glaukoms durch Augentropfen ist eine Lebenslange und darf nicht beendet werden. Werden die Augentropfen abgesetzt und der Augendruck steigt wieder an, schreitet auch das Glaukom wieder voran. Zusätzlich zum Augendruck ist auch die Augendurchblutung ein Faktor, der beachtet werden soll (Sjögren Syndrom, Migräne, Flammer Syndrom).

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