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Sehen und Hören

Maßanfertigung für die Augen

v.l.n.r. Johannes Schubart, Veronika Hartmann, Erich Hartmann

Erich Hartmann ist Optiker. Seit zwei Jahren setzt er für seine KundInnen auf biometrische Sehkorrektionen. Was das genau ist und welchen Mehrwert das für BrillenträgerInnen bietet, erklärt er zusammen mit dem Experten Johannes Schubart im Interview.

Johannes Schubart

Experte für biometrische Augenvermessung

Veronika Hartmann

Geschäftsführerin Optiker Hartmann

Erich Hartmann

Gründer Optiker Hartmann

Wie läuft ein Sehtest bei Ihnen hier ab?

Hartmann: Ich muss Sie leider gleich korrigieren, denn reine Sehtests gibt es bei uns nicht. Wir führen nur mehr biometrische Sehkorrektionen durch. Wir wissen, dass die Augenlängen und Augengrößen nicht bei beiden Augen gleich sind. Darauf nehmen wir Rücksicht und vermessen quasi sämtliche Abbildungsfehler im Auge. Und diese werden dann mit einem digital gefertigten Brillenglas, im hundertstel Teil genau, bestmöglich korrigiert. Das führt zu einer besseren Wahrnehmung und zu einem höheren Kontrastsehen.

Worin unterscheidet sich diese Methode von anderen?

Schubart: Das Zusammenspiel aus den Ergebnissen der objektiven und subjektiven Messung ist hier anders als bei einer Standard-Sehprüfung und Brillenkorrektur. Über ein Messgerät können wir bei der objektiven Refraktion nicht nur auf Hundertstel genau messen, sondern auch verschiedene Lichtbedingungen und verschiedene Entfernungen simulieren. Bei der subjektiven Refraktion prüft der Augenoptiker wie gewohnt die Sehkraft über die Erkennung von Sehzeichen, die dann durch Prüfgläser verbessert wird. Wir führen die Werte aus diesen beiden Komponenten dann zusammen und kommen damit im Zusammenspiel auf das beste Ergebnis für die KundInnen.

Welchen Einfluss hat dieses Zusammenspiel dann auf die Brillengläser?

Schubart: Wir berücksichtigen nun seit 2018 die Biometrie des Auges. Früher hat man in der Brillenglasberechnung ein Standard-Augenmodell genutzt. Das heißt, man hat zwar vermeintlich die richtige Korrektion berechnet, jedoch die anatomischen Gegebenheiten des Auges außen vor gelassen. Mit der neuen Mess- und Optimierungstechnologie können wir diese Daten mit einbeziehen und das Brillenglas auf das individuelle Auge anpassen.

Können mit neuen Verfahren zur Brillenglasoptimierung Eingewöhnungszeiten verkürzt bzw. verbessert werden?

Hartmann: In der Regel ist die Eingewöhnungszeit gar nicht mehr vorhanden!

Schubart: Wenn eine biometrische Messung und Brillenglasoptimierung stattgefunden hat und die Brillengläser digital erstellt wurden, haben wir eine Vielzahl an individuellen Parameter in das Brillenglas miteingebracht. Und je größer der Individualitätsgrad, desto höher sind Verträglichkeiten.

Hartmann: Es geht aber nicht mehr nur um die Dioptrien in einer Rund-um-Versorgung. Man muss das ganzheitlich sehen. Wir machen daher eine Aufnahme des Augenhintergrundes und schicken diese an ein Augenärztenetzwerk. Darauf aufbauend erhalten wir eine Risikobewertung des Auges mit Risikofaktoren rund um das Auge und den allgemeinen Gesundheitsparameter, die sich hinaus ableiten lassen. Wir schicken unsere Kunden dann mit dem Bericht dezidiert zum Augen- bzw. Hausarzt. Ich kann nur dann eine gute Sehleistung mit einer Brille erreichen, wenn wir auch sicherstellen, dass wir den Gesundheitszustand des Auges kennen.

Das heißt, trotz Digitalisierung ist die Aufgabe von OptikerInnen nach wie vor essenziell?

Hartmann: Genau! Es ist vielmehr eine Zusammenarbeit zwischen AugenärztInnen, OptikerInnen und auch den Herstellern. Und das leben wir in jeder Hinsicht.

Schubart: Gerade der subjektive Sehtest ist auch deswegen zukünftig so wichtig, weil das Sehen sozusagen im Gehirn stattfindet. Letztendlich werden ja die Lichtsignale, die im Auge ankommen, im Gehirn verarbeitet. Und nur im persönlichen Gespräch mit KundInnen erhält man auch eine Rückmeldung bezüglich der Verträglichkeit. Daher ist es wichtig, dass AugenoptikerInnen wirklich ExpertInnen auf ihrem Gebiet sind und sich für eine Beratung und Messung die notwendige Zeit nehmen. Maschinen können an dieser Stelle sehr hilfreich sein, aber es kommt immer noch viel auf die menschliche Kompetenz an, um ein hohes Maß an individueller Qualität zu realisieren.

Hartmann: Ein Brillenglaskatalog ist wie ein Buch mit sieben Siegeln. Wir müssen aufgrund unserer Erfahrung und unserer Messungen das richtige Brillenglas herausfiltern. Denn Brillenglas ist nicht gleich Brillenglas.

Wie ist das Feedback der KundInnen auf biometrisch optimierte Brillengläser?

Hartmann: Durchgehend positiv! Die Benefits sind: Weniger Streulicht, besseres Kontrastsehen, bessere Verträglichkeit und bessere Wahrnehmung. Und das führt zu mehr Wohlbefinden!

Schubart: Man kann es vergleichen mit einer Maßanfertigung und einem Produkt von der Stange. Nur entsprechen die meisten KundInnen beim Thema Auge einfach nicht dem Standard und werden mit individuellen Produkten, insbesondere den biometrisch optimierten Brillengläsern besser versorgt.


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