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Trockene Augen – nur lästig oder doch gefährlich?

Eyestrain concept, tired mid aged businessman holding glasses rubbing dry irritable eyes fatigued from computer feel pain strain suffering from bad vision, eyesight tension problem at work, close up
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iStock/fizkes

Jeder kennt es: ein störendes, lästiges Kratzen von Zeit zu Zeit, ausgelöst durch trockene Luft, Klimaanlagen oder einfach durch einen anstrengenden Tag im Büro. Doch was steckt dahinter? Sind trockene Augen eine Krankheit? Was kann man dagegen tun?

Priv.-Doz.in Jutta Horwath-Winter,  Fachärztin für Augenheilkunde & Optometrie in Graz und Vorsitzende der Kommission für Trockenes Auge & Oberflächenerkrankungen der ÖOG © Foto: Fotostudio Furgler, Graz

Priv.-Doz.in Jutta Horwath-Winter

Fachärztin für Augenheilkunde & Optometrie in Graz und Vorsitzende der Kommission für Trockenes Auge & Oberflächenerkrankungen der ÖOG © Foto: Fotostudio Furgler, Graz

Ab wann spricht man wirklich von Trockenen Augen?

Das Trockene Auge ist keine lästige Befindlichkeitsstörung, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung. Diese entsteht durch einen Verlust des Gleichgewichts im komplexen Tränenfilm- und Augenoberflächensystem. Der Tränenfilm bedeckt schützend die Augenoberfläche und ist dafür verantwortlich, dass das Auge befeuchtet und mit Nährstoffen versorgt wird. Ein stabiler Tränenfilm ist außerdem für ein gutes Sehvermögen sehr wichtig.

Der Tränenfilm besteht aus vielen Inhaltsstoffen, die von den Tränendrüsen, den Liddrüsen (Meibom-Drüsen) und den Epithelzellen der Augenoberfläche gebildet werden. Die Sekretion und Zusammensetzung, auch die Verteilung des Tränenfilms durch den Lidschlag unterliegen einem komplexen Steuerungsmechanismus, bei dem nervale, hormonelle und immunologische Faktoren eine Rolle spielen.

Bei geringgradigen oder nur kurz auftretenden negativen Einflüssen und gutem Allgemeinzustand der Betroffenen kann dieses System Abweichungen ausgleichen. Damit ist auch erklärbar, warum anfänglich die Beschwerden nur manchmal bei belastenden Umweltbedingungen z.B. trockener oder verrauchter Luft bzw. bei langer Computertätigkeit auftreten. Hier liegt noch keine Erkrankung laut aktueller Definition des Trockenen Auges vor.

Als Laie ist man geneigt, das als alltägliches lästiges Jucken abzutun. Wo ist die Grenze zwischen kurzzeitiger Reizung und ernstzunehmendem Leiden?

Subjektive Beschwerden wie Kratzen, Brennen, Jucken oder Trockenheitsgefühl der Augen, besonders wenn sie tagtäglich auftreten, müssen auf jeden Fall abgeklärt werden. Durch den entzündlichen Prozess kann es zu einer Rötung der Augen und der Lider kommen. Die Beschwerden nehmen im Tagesverlauf zu und werden bei Aktivitäten wie Lesen oder vermehrter Bildschirmarbeit verstärkt. Auch der Aufenthalt in klimatisierten Räumen bzw. an Orten mit reduzierter Luftfeuchtigkeit fördert die Austrocknung der Augenoberfläche und somit die Beschwerden.

Welche Faktoren können die Entwicklung eines Trockenen Auges begünstigen?

Folgende Faktoren sind besonders hervorzuheben:

  • ungünstige Umweltfaktoren (Indoor: trockene Luft; Outdoor: Feinstaub, UV, Smog) und seltener Lidschlag bei visueller Tätigkeit mit digitalen Medien
  • eine unentdeckte Fehlsichtigkeit oder nicht richtig angepasste Kontaktlinsen/Pflegemittel
  • vermehrt tritt das Trockene Auge auch nach operativen Eingriffen am Auge (refraktive Chirurgie, Kataraktchirurgie) auf
  • Weitere Ursachen sind:
    • Augenerkrankungen (z.B. Lidrandentzündung, Lidfehlstellung mit unvollständigem Lidschluss)
    • Allgemeinerkrankungen, Hauterkrankungen, aber auch Depressionen, Stress und psychische Belastungen
    • systemische Medikamente wie Betablocker, Psychopharmaka, Zytostatika, die Pille
    • lokal länger am Auge angewendete Medikamente, die Konservierungsmittel enthalten

Was kann man als Betroffener tun, um das Problem in den Griff zu bekommen? Was helfen alternative Methoden wie Zwiebelschneiden, Augenyoga oder eine augenschonende Abendroutine?

Tränenersatzmittel bleiben unverzichtbarer Teil der Behandlung des Trockenen Auges zur Stabilisierung des Tränenfilms. Hier hat sich in den letzten Jahren viel Positives getan. Bei verstopften Lidranddrüsen (sogenannte Meibom-Drüsen-Dysfunktion), ist die häusliche physikalische Therapie mit Erwärmung (Kompressen oder Wärmebrillen), Massage der Lider und die Lidrandreinigung für die meisten PatientInnen als Basistherapie wichtig.

Weitere allgemeine Maßnahmen sind die Optimierung von Arbeits- und Umweltbedingungen, bewusstes Blinzeln, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf.


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