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In Österreich sind ca. 600.000 Menschen davon betroffen, nicht wenige wissen noch gar nichts davon und viele wollen nicht, dass andere es wissen. Denn Typ-2-DiabetikerInnen stehen im Verruf, selbst schuld an ihrer Erkrankung zu sein.

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Frau Prima. Drin. Claudia Francesconi

Ärztliche Leitung Pensionsversicherungsanstalt SKA-Rehabilitationszentrum Alland für Stoffwechselerkrankungen

Zu dick und keine Bewegung

So sehen sich Menschen mit Typ-2-Diabetes häufig selbst und so werden sie auch oft von der Gesellschaft wahrgenommen. Allein, diese Grundsatzaussage gilt für nahezu 50 Prozent der Bevölkerung, nur 8 Prozent davon leiden an Diabetes. Um tatsächlich an Diabetes zu erkranken braucht es – außer einem entsprechendem Lebensstil – nämlich auch noch die entsprechenden (falschen) Gene.

Neue Therapieoptionen – optimaler Schutz ohne Unterzuckerungen

So wenig sich an der Stigmatisierung der Betroffenen in den letzten Jahren trotz Aufklärungskampagnen geändert hat, so viel hat sich im Bereich der Therapie geändert.

Konnte man vor wenigen Jahren zwar den Blutzucker senken, aber keine wesentliche Verringerung des Herz-Kreislauf-Risikos erzielen, so stehen seit einiger Zeit Medikamente zur Verfügung, die nicht nur die Blutzuckerwerte verbessern, sondern besonders Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Nierenversagen deutlich verringern und insgesamt die Überlebenszeit deutlich verlängern. Zusätzlich wirken diese Medikamente positiv auf die Gewichtsentwicklung im Sinne einer Abnahme.

Eine dieser Substanzen eliminiert den überschüssigen Zucker über die Niere (SGLT2-Inhibitor) und fördert damit auch die Gewichtsreduktion.

Das andere Medikament (GLP-1-Rezeptoragonist) wird unter die Haut gespritzt, ist aber kein Insulin und birgt nicht die Gefahr einer Unterzuckerung. Durch die Verbesserung des Sättigungsgefühls wird weniger Hunger empfunden und eine deutliche Gewichtsabnahme ist die Folge.

Alle neuen Therapieformen haben gemeinsam, dass sie keine Unterzuckerungen verursachen können. Damit steht einer Teilhabe am normalen Berufs- und Freizeitleben nichts im Wege. Therapie und Lebensstiländerung gehen dadurch Hand in Hand. Blutzuckermessungen müssen nicht täglich, sondern stichprobenartig ein- bis zweimal pro Woche erfolgen.

Gefährliche Ignoranz

Dem Irrtum zu erliegen, dass eine Erkrankung, die nicht wehtut, auch keine großen Schäden verursachen kann, hat allerdings oftmals fatale Auswirkungen. Denn vor allem in der Frühphase der Diabeteserkrankung kann eine konsequente Therapie des Blutzuckers, aber auch der Blutfette und des Blutdrucks die Bildung der an allen Spätkomplikationen maßgeblich beteiligten Gefäßverkalkung nahezu verhindern. Das Ignorieren der Erkrankung führt im Umkehrschluss jedoch häufig dazu, dass der Grundstein für Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, aber auch Nierenversagen und Augenschäden, bereits frühzeitig gelegt wird. Wesentlich für alle Betroffenen – aber auch deren Familie – ist daher zu wissen, dass das Herz/Kreislauf-Risiko bei Diabetes zwar hoch ist, durch frühzeitig einsetzende richtige Therapiemaßnahmen aber deutlich reduziert werden kann, sogar bei PatientInnen, die bereits ein entsprechendes Ereignis wie Herzinfarkt und/oder Schlaganfall gehabt haben.

Basierend auf diesen Erkenntnissen sind auch die neuen Leitlinien der Österreichischen Diabetes Gesellschaft entsprechend aktualisiert worden und empfehlen die Gabe der oben erwähnten Medikamente für DiabetikerInnen, die durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen besonders gefährdet sind.

Bei noch so guter und zeitgerechter Therapie mit den optimalen Medikamenten bleibt doch eine Änderung der Lebensgewohnheiten die wichtige Basis zum anhaltenden Erfolg. Gewichtsreduktion, Verbesserung der Fitness und Vermehrung der Muskelmasse sind nicht nur gesundheitsförderlich, sie führen in aller Regel zu einem besseren Lebensgefühl – daher macht DIABETES … zu guter Letzt vielleicht doch sexy!?

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