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Neurologie

Migräne: Mehr als nur Kopfweh

Kranke junge weiße Frau, die aus dem Bett steigt, ihren Kopf aufgrund von Schwindel, Migräne, Schwindel, Kopfschmerzen im Schlafzimmer zu Hause hält. Saisonale Kälteerscheinungen, Grippeepidemie, Fieber, Krankheit, Krankheit, Unwohlsein.
Kranke junge weiße Frau, die aus dem Bett steigt, ihren Kopf aufgrund von Schwindel, Migräne, Schwindel, Kopfschmerzen im Schlafzimmer zu Hause hält. Saisonale Kälteerscheinungen, Grippeepidemie, Fieber, Krankheit, Krankheit, Unwohlsein.
© monshtein - Shutterstock.com

Eine Migräne ist eine komplexe Gehirnerkrankung, bei der es zu einer vorübergehenden Fehlregulation der Nervenzellen und der Schmerzverarbeitung kommt. Dabei verändern sich die elektrische Aktivität, die Signalweiterleitung und die Durchblutung im Gehirn, was die typischen Kopfschmerzen und Begleitsymptome auslöst. Aufgrund ihrer Häufigkeit gilt sie als Volkskrankheit. Dr.in med. Sonja-Maria Tesar, Neurologin, Neurointensivmedizinerin und Präsidentin der österreichischen Kopfschmerzgesellschaft, erklärt, warum eine Migräne rechtzeitig diagnostiziert und behandelt werden sollte. 

Dr.in med. Sonja-Maria Tesar Neurologin, Neurointensivmedizinerin und Präsidentin der österreichischen Kopfschmerzgesellschaft

Dr.in med. Sonja-Maria Tesar

Neurologin, Neurointensivmedizinerin und Präsidentin der österreichischen Kopfschmerzgesellschaft

Frau Dr.in Tesar, wie erkennen Betroffene, dass es sich bei ihren Beschwerden um Migräne handelt? 

Typisch für Migräne ist ein intensiver, pulsierender Kopfschmerz, der oft auch nur einseitig auftritt und sich bei Anstrengung verstärkt. Begleitet wird er häufig von einer Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Gerüchen. 

Warum wird Migräne oft erst spät erkannt und nicht ernst genommen?

Zum einen ist die Migräne nicht lebensbedrohlich und im Labor sowie der Bildgebung des Gehirns meist unauffällig. Zum anderen gilt sie immer noch als ‚Frauenkrankheit‘ – betroffene Männer nehmen ihre Migräne deshalb oft nicht ernst. Vielen Betroffenen fällt es außerdem schwer, zu akzeptieren, dass sie an einer eigenständigen Erkrankung leiden. Hinzu kommt, dass Kopfschmerzen oft banalisiert werden – jeder Mensch ‚weiß‘ doch, was dagegen hilft. Doch eine Migräne ist kein Kopfschmerz, wie er bei Schlafmangel oder dicker Luft auftritt. Auch der schmerzende Kopf bei einem Kater ist damit nicht zu vergleichen – die Intensität ist eine ganz andere. 

Welche Migränetherapien gibt es und wie unterscheiden sie sich? 

Bei leichten akuten Migräneattacken setzen wir nach wie vor auf herkömmliche Schmerzmittel. Seit 30 Jahren arbeiten wir bei schweren Attacken mit der speziell bei Migräne eingesetzten Wirkstoffgruppe Triptane – als Tablette, Nasenspray oder Spritze unter die Haut verfügbar. Triptane wirken unter anderem auch CGRP-vermittelt (Calcitonin Gene-Related Peptide), ein Neuropeptid, das zentral an der Entstehung von Migräne mitwirkt. Seit 2022 gibt es eine Weiterentwicklung der Triptane für Patient:innen mit hohem kardiovaskulären Risiko: ein Ditan, das nicht gefäßverengend wirkt. Zudem gibt es seit 2022 ein Gepant: Das ist ein Mittel, das den CGRP-Rezeptor und damit den CGRPSignalweg blockiert. Auch die beiden neueren Mittel werden als Tabletten verabreicht und stellen einen Meilenstein in der Migränebehandlung dar, da sie in den Mechanismus der Attacken eingreifen. Zur Migräneprophylaxe greifen wir seit 2018 erfolgreich auf AntiCGRP-Antikörper zurück: Das sind monoklonale Antikörper, die entweder das CGRP oder dessen Rezeptor blockieren. Diese Prophylaxe mindert die Zahl und Stärke der Migräneattacken und ist gut verträglich.

Wie helfen Lebensstil, Ernährung und Stressmanagement in der Migränebehandlung?

Jedwede Dysbalance – sei es eine hormonelle oder stressende – kann eine Migräne triggern oder verstärken. Betroffene sollten hier gezielt ausbalancieren, beispielsweise mit Stressmanagement. Warum ist eine frühe Diagnose wichtig? Unbehandelt chronifiziert sich die Migräne: Die Attacken kommen in kürzeren Abständen und werden intensiver und in attackefreien Zeiten sind die Betroffenen reizempfindlicher – die Schmerzen strahlen dann bis in Schulter, Nacken und Wirbelsäule aus.

DAS SOLLTEN SIE ÜBER MIGRÄNE WISSEN! 

1 Million Österreicher:innen sind von Migräne betroffen.1
2. In Westeuropa ist Migräne die am stärksten belastende neurologische Erkrankung.2
3.  Die Anfälligkeit für Migräne wird auch vererbt. Die Krankheit schlummert und wird von bestimmten Faktoren wie Stress oder Wetteränderungen getriggert.
4.  Wer an Migräne leidet, hat ein bis zu zehnmal höheres Risiko, eine psychische Begleiterkrankung wie Angststörung oder Depression zu entwickeln.3 
5. Frauen haben bis zu dreimal häufiger Migräne als Männer.4
6.  Bei Frauen ist Migräne rund um die Regelblutung, während der Stillzeit und beim Eintritt in die Wechseljahre besonders häufig („Hormonmigräne“). In der Schwangerschaft dagegen gibt sich eine Migräne meist.4

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