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Gynäkologische Krebserkrankungen: Was frau wissen sollte

Gebärmutter und Blumen, weibliches Fortpflanzungssystem, Frauengesundheit, PCOS, gynäkologisches und Gebärmutterhalskrebskonzept
Gebärmutter und Blumen, weibliches Fortpflanzungssystem, Frauengesundheit, PCOS, gynäkologisches und Gebärmutterhalskrebskonzept
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Gynäkologische Krebserkrankungen zählen zu den häufigsten Tumorerkrankungen bei Frauen. Im Interview spricht Univ.-Prof.in Dr.in med. univ. Nicole Concin, Präsident der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO), über aktuelle Herausforderungen, medizinische Fortschritte und darüber, worauf Frauen besonders achten sollten.

Univ.-Prof.in Dr.in med. univ. Nicole Concin
Caption Präsident der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO)
Credit: MedUniWienfeelimage

Univ.-Prof.in Dr.in med. univ. Nicole Concin

© MedUni Wien – feelimage

Präsident der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO)

Wie gut ist Österreich bei der Versorgung von Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen aufgestellt?

Wir haben mehrere zertifizierte Zentren, darunter drei von der ESGO (Europäische Gesellschaft für Gynäkologische Onkologie) zertifizierte. Das macht die Behandlungsqualität durch Einhaltung hoher Standards sichtbar und bietet Zugang zu hochspezialisierten, interdisziplinären Behandlungsteams und einer besseren Prognose. Eine Zentralisierung komplexer Behandlungen in Referenzzentren für Gynäkologische Krebserkrankungen und abgestufte Versorgung mit regionalem Anschluss bieten Vorteile.

Welche Warnzeichen sollten Frauen in Hinblick auf gynäkologische Tumoren kennen?

Für viele haben wir ein Frühsymptom oder effektives Screening. Bei Gebärmutterschleimhautkrebs ist das häufig die Blutung aus der Scheide. Von dieser Erkrankung sind meist Frauen nach den Wechseljahren betroffen. Die plötzliche, erneut auftretende Blutung sollte Frauen veranlassen, eine:n Gynäkolog:in aufzusuchen. Für Gebärmutterhalskrebs haben wir den HPV-/PAP-Abstrich, durch die HPV-Impfung kann diese Krebserkrankung verhindert werden. Für Brustkrebsfrüherkennung haben wir die Mammographie.
„Problem“-Tumor ist der Eierstockkrebs. Hier gibt es kein suffizientes Früherkennungsprogramm und kein spezifisches ausgeprägtes Frühsymptom. Ärztliche Abklärung ist bei über Wochen anhaltenden Symptomen wie unklaren Bauchschmerzen, Zunahme des Bauchumfangs, anhaltendem Völlegefühl, Veränderungen der Blasen-/Darmfunktion, verbunden mit Müdigkeit und Abgeschlagenheit, wichtig.

Was macht den Eierstockkrebs so gefährlich?

Das sind die genannten Gründe. Zwei von drei Frauen mit Eierstockkrebs haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits eine fortgeschrittene Erkrankung mit Tumorabsiedelungen im Bauchraum und darüber hinaus. Hier sind sehr komplexe Operationen über mehrere Stunden notwendig, um den gesamten sichtbaren Tumor zu entfernen.

Welche neuen Therapieansätze verändern die gynäkologische Onkologie?

Der größte Fortschritt passiert bei zielgerichteten Medikamenten, die spezifische biologische Merkmale und Stoffwechselwege von Tumoren angreifen und Tumorzellen spezifisch schädigen. Sehr stark im Kommen sind sogenannte „Antibody-Drug-Conjugates“, die eine an den Antikörper gekoppelte Chemotherapie direkt in die Krebszelle bringen. Große Fortschritte konnten wir auch mit der Immuntherapie erzielen. Außerdem entwickeln sich minimalinvasive und roboterassistierte operative Verfahren weiter.

Was sind die wichtigsten Projekte der AGO Österreich?

Ein Punkt ist die Sicherstellung qualitativ hochwertiger, standardisierter Versorgung in der Gynäkologischen Onkologie. Dazu gehört es, Zertifizierungsprozesse von Zentren voranzutreiben und „Educational Events“ zu organisieren, wie unsere Jahrestagung im Frühling und die Wissenschaftliche Herbsttagung. Ebenso sind die Förderung klinischer Studien sowie enge Vernetzung mit europäischen Netzwerken wichtig. Bedeutend sind auch die Stärkung der Patientinnen-Information durch Aufklärungsmaterial und gemeinsame Projekte mit Selbsthilfegruppen sowie die Nachwuchsförderung.

Welche Themen werden in der Betreuung von Patientinnen mit gynäkologischen Tumoren zu wenig berücksichtigt?

Wir sprechen zu wenig über mögliche Langzeitfolgen der Behandlungen, z. B. menopausale Beschwerden, Einfluss auf Sexualität oder psychische Belastung. Hier bedarf es multiprofessioneller Teams inklusive Expert:innen aus Psychoonkologie, Physiotherapie, Sexualmedizin und Sozialberatung. Wichtig ist mir auch, Patientinnen frühzeitig in Rehabilitations- und Survivorship-Programme einzugliedern.

Was ist gynäkologisch für jede Frau wichtig zu wissen?

Drei Punkte sind wichtig: regelmäßige gynäkologische Kontrolle und Wahrnehmen von Vorsorgeangeboten; Veränderungen ernst nehmen und frühzeitig abklären; und die Behandlung von gynäkologischen Krebserkrankungen in spezialisierten, zertifizierten Zentren. Auf der Website der Österreichischen AGO sind die zertifizierten Zentren Österreichs aufgelistet.

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