In der Vagina haben Milchsäurebakterien das Sagen – Pilze, Hefen und Bakterien sind in der Unterzahl. Was passiert, wenn dieses mikrobielle Gleichgewicht kippt, und wie es rasch wieder ausbalanciert wird, erklärt Dr.in med. Anna Krenn, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Klinik Ottakring und in eigener Praxis.

Dr.in med. Anna Krenn
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Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Klinik Ottakring und in eigener Praxis
Was sollte frau zur Vulva- und Vaginalgesundheit wissen?
Sie sollte wissen, dass sich der gesunde weibliche Körper zu schützen weiß – in der Vagina, dem Organ, das zum Uterus führt, mit dem Mikrobiom (Vaginom): Das ist die Gemeinschaft aus Mikroben, die dort als natürlicher Schutzschild dient. Das Vaginom ist einzigartig wie ein Fingerabdruck. Es besteht großteils aus Laktobazillen, die Glykogen in Milchsäure umwandeln und damit einen sauren pH-Wert (3,8 bis 4,5) erzeugen – ein Milieu, in dem sich andere Mikroorganismen wie Bakterien, Hefen, Pilze oder Viren nur bedingt wohlfühlen. Für die Zusammensetzung der Mikroben im Vaginom spielen die genetische Veranlagung, die Geburtsform (vaginal oder per Kaiserschnitt) und auch die Ernährung eine Rolle.
Die (Schleim)Haut von Vagina und Gebärmutterhals sondert Ausfluss ab. Er dient der natürlichen Selbstreinigung, Keimabwehr und Befeuchtung. Der Ausfluss variiert in Aussehen und Beschaffenheit abhängig vom hormonellen Geschehen im Körper. Gewöhnlich ist er durchsichtig bis weiß, dünn- bis dickflüssig und geruchslos.
Wie kommt es zu einer Infektion im Intimbereich?
Wenn das mikrobielle Gleichgewicht im Vaginom gestört ist und der pH-Wert steigt, vermehren sich die bislang wenigen Pilze oder Bakterien und gewinnen die Oberhand über die Laktobazillen. Eine Infektion beziehungsweise Entzündung der Vagina ist die Folge (Vaginitis). Ist auch die Vulva betroffen, also der sichtbare Teil der weiblichen Geschlechtsorgane, sprechen wir von einer Vulvovaginitis. Je nach dominierender Mikrobenart kommt es zu einer vaginalen Pilzinfektion (Vaginalmykose) oder einer bakteriellen Vaginalinfektion (Vaginose) mit unterschiedlichen Symptomen (siehe Kasten).
Gibt es Lebensumstände, in denen frau besonders anfällig für solche Infektionen ist?
Nahezu jede Frau hat einmal in ihrem Leben eine Vaginitis oder Vulvovaginitis. Schwangere Frauen sind besonders anfällig dafür, da ihr Immunsystem wegen des Kindes im Mutterleib eine Art Immuntoleranz entwickelt.
Auch jede Frau, die Antibiotika einnimmt, ist anfälliger und sollte deshalb immer Mittel bekommen, die das gesunde Vaginom erhalten und stärken. Für Eltern ist wichtig: Mädchen entwickeln keinen Vaginalpilz, solange die Vagina nicht östrogenisiert ist – und das ist erst mit Einsetzen der Pubertät der Fall.
Wann sollte frau ärztlichen Rat einholen?
Je eher die Patientin kommt, desto schneller ist sie die Infektion wieder los. Keine Frau muss sich wegen einer Infektion schämen – die Mär von unzureichender Hygiene als Ursache ist genau das: eine Mär.
Wichtig ist eine Abklärung auch deshalb, weil es Infektionen gibt, die ernste gesundheitliche Folgen haben können: Beispielsweise kann eine Chlamydieninfektion auch Entzündungen von Uterus und Eierstöcken und schlimmstenfalls Unfruchtbarkeit verursachen.
Wie diagnostizieren und behandeln Sie vaginale Infektionen?
Aus dem, was die Patientin an Krankheitsgeschichte (Anamnese) mitbringt, lassen sich schon erste Schlüsse ziehen. Hinzu kommen die Blickdiagnose und gegebenenfalls ein Abstrich, der direkt unter dem Mikroskop untersucht oder ins Labor gesendet wird. Auch der pH-Wert wird geprüft.
DREI EXPERT:INNENTIPPS FÜR EINE GESUNDE VULVA UND VAGINA
- Klares Wasser zur Reinigung ist optimal.
- Spezielle Intimwaschmittel sollten nur verwendet werden, wenn sie einen sauren pH-Wert haben und Milchsäurebakterien enthalten.
- Zu enge Kleidung, insbesondere aus Kunststoff, sowie Slipeinlagen & Co., die teils aus Plastik sind, sollte frau meiden.
Zur Behandlung – gegebenenfalls auch von Sexpartner:innen – setzen wir auf Antimykotika (Anti-Pilzmedikamente) und Antibiotika. Eine Therapie gegen eine Pilzinfektion bringt meist schon nach einem Tag Besserung. Antibiotika wirken nach ein bis sechs Tagen. Andernfalls sollte die Patientin sich unbedingt erneut vorstellen.
Was ist mit Anti-Pilzmitteln aus der Apotheke?
Sind Pilze Ursache der Beschwerden und ist die:der Behandler:in mit dem Mittel einverstanden, ist gegen ein frei verkäufliches Mittel nichts einzuwenden. Frauen, die wiederholt Pilzinfektionen haben, sparen sich so einen erneuten Gang in die ärztliche Praxis und können sofort mit der Selbstbehandlung starten. Abzuraten ist dagegen von in Joghurt getränkten Tampons – für die Wirksamkeit dieses „Hausmittels“ gegen Vaginalpilz gibt es keine Belege.
Typische Anzeichen für eine vaginale Pilzinfektion
- Jucken, mitunter Brennen
- Rötung
- bröckeliger, topfiger Ausfluss
Typische Anzeichen für eine bakterielle Vaginalinfektion (Vaginose)
- Trockenheitsgefühl
- Gefühl von Wundsein
- gelblicher bis gelb-grüner Ausfluss
- fischiger Geruch