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Und täglich grüßt das Monster

Foto: EAC Junior Capitals /Martin Hoffrichter

Als Kind mit der Diagnose Diabetes konfrontiert zu werden, bedeutet plötzlich viel weniger frei zu sein. Doch Träume lassen sich trotzdem leben, wie Stephan Hetsch (12) beweist: Er spielt Eishockey bei den Junior Capitals.

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Stephan Hetsch

Position: Verteidiger/Flügelstürmer Alter: 12, Spielt Eishockey seit 2011 (EHC Tulln bis 2016) Schule: Sport-MS Tulln © Foto: EAC Junior Capitals /Martin Hoffrichter

Wie hast du herausgefunden, dass du Diabetes hast? Wie alt warst du und kannst du dich noch erinnern, was deine ersten Gedanken damals waren?

Erinnerungen an diese Zeit habe ich kaum noch – ich war ja erst 5. Meine Eltern haben festgestellt, dass ich immer sehr durstig war und mein Benehmen war durch den hohen Blutzuckerspiegel anders als vorher. Außerdem hatte ich Mühe, mich zu konzentrieren. Wir wurden dann vom Kinderarzt, dessen Blutzuckermessgerät defekt war, ins Krankenhaus zur Kontrolle überwiesen. Dort wollte man zunächst keine Messung machen, weil man sowas nur in der Früh macht. Als die anwesenden Ärzte doch überredet werden konnten, wurde bei mir ein Blutzuckerwert von über 700 mg/dl festgestellt. Ich habe das zunächst gar nicht verstanden – für mich war einfach schrecklich, dass ich 3 Wochen im Krankenhaus bleiben musste. Nichts war mehr so, wie zuvor – alles wurde von nun an kontrolliert.

Du spielst bei den Vienna Capitals in der Nachwuchsmannschaft Eishockey. Hat dich Diabetes dabei jemals eingeschränkt?

Ich merke natürlich, wenn ich hoch bin. Da bin ich langsamer und es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren und meine Leistung am Eis wird davon beeinflusst. Mittlerweile gelingt es mir, in solchen Phasen mein Spiel so anzupassen, dass ich auch dann mithalten kann. Wenn ich zittrig (niedrig) bin, muss ich pausieren, da geht einfach gar nichts. Das dauert aber zum Glück meistens nur wenige Minuten. Ich muss mich halt ständig darum kümmern, z.B. immer Traubenzucker oder Gummibärli dabei haben.

Am liebsten würde ich den ganzen Tag Eishockey spielen.

Taylor Vause, der als Profi bei den Vienna Capitals spielt, hat auch Diabetes. Ist er für dich ein Vorbild und was findest du toll an ihm?

Taylor ist natürlich von seiner ganzen Einstellung her ein riesiges Vorbild. Er grüßt mich jedes Mal sehr freundlich, wenn wir uns sehen. Ich bewundere seinen Ehrgeiz, sich beim Spiel und beim Training einfach nicht anmerken lassen zu wollen, dass er Diabetes hat. Gleichzeitig geht er sehr offen damit um und leistet unglaublich wichtige Arbeit, um das Thema Diabetes in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Wie managest du deinen Alltag mit Diabetes neben Schule und Sport? Wer unterstützt dich dabei (Familie, Freude, Teamkollegen …)?

In erster Linie unterstützt mich meine Familie – es gibt hier so viel zu beachten, dass ich das allein nicht schaffe. Die Einstellungen der Basalraten und die Grundregeln werden von meinem Opa gemeinsam mit den ÄrztInnen der Diabetes-Ambulanz und meinen Eltern vorgenommen. Im Alltag kümmere ich mich selbst um meine Werte und die Einschätzung der erforderlichen Insulinmenge beim Essen.

Wie wichtig ist es für dich, dass du dich mit erfahreneren Sportlern wie Taylor austauschen kannst? Gerade, wenn es um Themen wie Diabetes, Insulin, Blutzucker und Co. geht?

Das war wirklich ganz toll, als Taylor sich vor ca. 2 Jahren Zeit genommen hat und mir und meinem Papa seinen Alltag erklärt hat. Sport hat ja einen großen Einfluss auf den Blutzucker und da hilft es natürlich, wenn man weiß, wie andere damit umgehen. Wie für mich ist es auch für ihn ein täglicher Kampf mit dem Diabetes-Monster, damit er seine Leistung bringen kann. Er hat mir auch erzählt, dass jene NHL-Spieler, die ebenfalls Diabetes haben, mit ihm Kontakt aufgenommen haben, als Diabetes bei ihm festgestellt worden ist. So wie diese ihm damals Mut gemacht haben, möchte er es wahrscheinlich auch bei anderen Betroffenen tun.

Hast du Tipps, Tricks oder Ratschläge für andere Kinder/Jugendliche, die auch Diabetes haben?

Das Leben ändert sich durch die Diagnose total, aber das ist kein Grund, sich hängen zu lassen. Für mich war es immer ein großer Trost, dass ich alles machen kann – selbst Spitzensport ist möglich. Man muss keine Diät halten, wie bei anderen Krankheiten, sondern nur alles berechnen und dann eben Insulin geben.


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