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Im Interview erklärt Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Marie-Kathrin Breyer PhD, Fachärztin für Innere Medizin, Pneumologie sowie Intensivmedizin und Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Lungengesundheit in Wien, was eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist, woran man sie erkennt und wie man sie behandelt.

Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Marie-Kathrin Breyer PhD Fachärztin für Innere Medizin, Pneumologie und Intensivmedizin, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Lungengesundheit

Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Marie-Kathrin Breyer PhD

© ZVG

Fachärztin für Innere Medizin, Pneumologie und Intensivmedizin, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Lungengesundheit

Was ist eine COPD und was passiert dabei in der Lunge? 

Die ‚chronic obstructive pulmonary disease‘ (COPD) ist eine sich schleichend entwickelnde, also sich chronifizierende Lungenerkrankung, bei der es zu andauernden Entzündungen der Atemwege kommt (sogenannte chronischobstruktive Bronchitis). Dabei schwellen die Schleimhäute an, bilden vermehrt Schleim und verengen die Atemwege. So gelangt weniger Luft und damit Sauerstoff in die Lungen. Hinzu kommen Schäden an den Lungenbläschen (Lungenemphysem oder Lungenüberblähung), die den Gasaustausch und damit die Aufnahme von Sauerstoff ins Blut stark beeinträchtigen. Die Folgen sind Atemnot, Husten und Auswurf – die AHA-Symptome. Die COPD entsteht meist, wenn die Lunge über lange Zeit sogenannten Noxen, also Schadstoffen ausgesetzt ist. Eine der Hauptursachen von COPD ist aktives und passives Rauchen. Raucher:innen, Ex-Raucher:innen und passiv Mitrauchende erkranken häufiger daran als Menschen, die nie geraucht haben. Doch auch eine genetische Veranlagung kann dazu führen. Spannend ist, dass die COPD früher als die typische ‚Erkrankung des alten, weißen Mannes‘ galt. Das hat sich seit den 1970ern stark geändert. Entsprechend müssen wir die Frauen hinsichtlich der COPD in den Fokus rücken – noch sind sie unterdiagnostiziert. Das zu ändern, ist ein Hauptanliegen unseres Instituts.

Welche ersten Anzeichen sollten ernst genommen werden? 

Atemnot unter Belastung gilt als Leitsymptom der COPD. Wer beim Stiegensteigen, Tragen von Einkäufen oder bei moderatem Sport auffällig nach Luft schnappen muss und hinter der Leistung Gleichaltriger zurückbleibt, sollte einen Lungenfunktionstest durchführen lassen. Das ist eine Untersuchung mit wenig Aufwand, die wir als Institut allen Menschen einmal im Jahr empfehlen. Damit ließen sich Lungenprobleme frühzeitig entdecken und adäquat behandeln. Denn man darf nicht vergessen: Die COPD ist noch nicht heilbar – sie richtet irreversible Schäden an. Ihr Fortschritt ist unaufhaltsam. Wir können mit aktuellen Therapien nur bewirken, dass sie nicht zu schnell voranschreitet und sich der Zustand der Lungen nicht zu schnell verschlechtert. Wir plädieren als Institut deshalb auch dafür, die Untersuchung ‚kleine Lungenfunktion‘ in die Gesundenuntersuchung aufzunehmen – und zwar für alle Altersgruppen. Denn auch ca. 8 % der U15-Jährigen haben beispielsweise schon auffällige Lungenbefunde. 

Warum wird die COPD oft erst spät erkannt? 

Weil sich die Erkrankung über Jahre unbemerkt entwickelt und ihre Symptome oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium auffallen. Betroffene gleichen leichte Atemprobleme anfangs unbewusst aus und gewöhnen sich so sogar an weniger Luft in den Lungen. Werden die Atemprobleme stärker, rechtfertigen die Betroffenen dies oft mit verschiedenen Lebensumständen, zum Beispiel ihrem Alter. Dadurch zögern sie den Gang zu Lungenfachärzt:innen jedoch nur hinaus.   

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Menschen mit einer COPD? 

Wir behandeln eine COPD klassisch mit Medikamenten, die die Bronchien erweitern und die Entzündungen bekämpfen. Diese Wirkstoffe müssen inhaliert werden, um direkt dorthin zu gelangen, wo sie ihre maximale Wirkung entfalten sollen. Reicht der Sauerstoff nicht mehr, den die Patient:innen aus eigener Kraft einatmen, bekommen sie eine Sauerstofftherapie: Damit sind externe Sauerstoffgeräte gemeint, die es sowohl als stationäre als auch als mobile Variante gibt. Über einen Schlauch, der in die Nase führt, gelangt der Sauerstoff in die Atemwege. Als neue Therapien stehen Antikörpertherapien (sogenannte Biologika) zur Verfügung, die bei Patient:innen mit schwerer COPD und einer bestimmten Entzündungsform wirken, indem sie in die Entzündungskaskade eingreifen und die Zellen, die für die Entzündung zuständig sind, in ihrem Tun ausbremsen. 

Was können Betroffene tun, um ihre Lebensqualität zu verbessern und Verschlechterungen der Erkrankung vorzubeugen?

Wer raucht oder mitraucht, sollte dies sofort einstellen. Ansonsten hilft gesunde Ernährung, Bewegung – 30 Minuten Gehen täglich sind ein Muss – und das Fortführen der alltäglichen Routine. Letzteres ist wichtig, weil sich viele COPD-Patient:innen in Sauerstofftherapie sozial zurückziehen. Oft entwickeln sie Depressionen, die wiederum laut Studien ein häufiger Grund dafür sind, die Therapie nicht wie verordnet einzuhalten. Doch gerade das Festhalten an der Therapie ist essenziell dafür, dass sich die Krankheit nicht verschlechtert und keine lebensbedrohliche Atemkrisen (‚Exazerbationen‘) auftreten.

*Bei Fragen kontaktieren Sie bitte Ihre Ärztin/Ihren Arzt

Hinter diesen Beschwerden könnte COPD stecken

Husten, Auswurf oder Kurzatmigkeit können verschiedene Ursachen haben. Bestimmte Beschwerden und Risikofaktoren können im Zusammenhang mit COPD auftreten.
Auf folgende Anzeichen gilt es zu achten: 

  • Husten an den meisten Tagen
  • Regelmäßiger Schleim oder Auswurf
  • Kurzatmigkeit bzw. schneller außer Atem als andere Menschen im gleichen Alter
  • Zunehmende Schwierigkeiten bei körperlicher Belastung, zum Beispiel beim Stiegensteigen oder Gehen
  • Häufige Atemwegsinfekte oder wiederkehrender, länger anhaltender Husten
  • Pfeifende oder rasselnde Atmung
  • Aktuelles oder früheres Rauchen
  • Längere oder regelmäßige Belastung der Atemwege durch Rauch, Staub, Dämpfe oder andere Schadstoffe

Treffen mehrere dieser Anzeichen auf Sie zu?

Dann lohnt es sich, die Beschwerden bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt anzusprechen. Vor allem regelmäßig auftretender Husten, Auswurf oder Atemnot sollten nicht einfach als Alterserscheinung abgetan werden. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Je früher eine mögliche COPD erkannt wird, desto früher können Betroffene gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt geeignete Maßnahmen setzen.
 
Hinweis: Dieser Selbstcheck dient ausschließlich der ersten Orientierung und kann keine ärztliche Untersuchung oder Diagnose ersetzen. Ob eine COPD oder eine andere Lungenerkrankung vorliegt, kann nur durch eine ärztliche Abklärung festgestellt werden. Bei Fragen oder Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

NP-AT-CPU-ADVR-260002; 09/2026

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