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Home » News » Diffuses Gliom: Fortschritte dank zielgerichteter Therapien
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Die intensive Forschung eröffnet zunehmend mehr Behandlungsmöglichkeiten bei diffusen Gliomen. Worum es sich dabei handelt und welche Therapieformen es aktuell gibt, erklärt der Onkologe Univ.-Prof. Dr. Matthias Preusser.

Univ.-Prof. Dr. Matthias Preusser Abteilungsleiter Klinische Abteilung für Onkologie an der MedUni Wien

Univ.-Prof. Dr. Matthias Preusser 

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Abteilungsleiter Klinische Abteilung für Onkologie an der MedUni Wien

Was ist ein diffuses Gliom? 

Gliome gehören nicht zu den häufigsten Krebserkrankungen, kommen aber doch regelmäßig vor. Das Gliom ist ein Tumor des Gehirns, der sich aus Gliazellen – das sind Stützzellen des zentralen Nervensystems – entwickelt. Diffus bedeutet, dass der Tumor nicht abgekapselt wächst, sondern sich weit im Gehirn verbreitet. Dabei unterscheiden wir vor allem zwei Hauptkategorien: IDHmutierte und IDH-nicht-mutierte diffuse Gliome – hauptsächlich handelt es sich dabei um Glioblastome. IDH-nicht-mutierte Gliome betreffen überwiegend Patient:innen im fortgeschrittenen Lebensalter, IDH-mutierte Tumore treten dagegen typischerweise zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf. 

Welche Symptome können auf ein diffuses Gliom hinweisen? 

Das Gehirn entwickelt in unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Spezialsierungen. Die Art der Symptome und deren Intensität sind deshalb stark von der Lokalisation und Größe des Tumors abhängig. Tritt das diffuse Gliom im motorischen Zentrum auf, kann das die Bewegungsfähigkeit einschränken. Es kann aber auch zu Sprachstörungen, epileptischen Anfällen, Kopfschmerzen aufgrund einer Hirndrucksymptomatik, Konzentrationsstörungen und auch Wesensänderungen führen. Die Symptome können sehr subtil, bei schnell wachsenden Tumoren aber auch stark ausgeprägt sein. IDH-mutierte diffuse Gliome entwickeln sich oftmals über einen langen Zeitraum: Die Symptome kommen und gehen. Es kann dann oftmals lange dauern, bis der Verdacht auf einen Tumor fällt. Besteht ein solcher, erfolgt zur Diagnosesicherung eine Magnetresonanztomographie. Kann ein Tumor nachgewiesen werden, erfolgt eine Operation oder Biopsie, um diesen auf histologischer und genetischer Ebene exakt bestimmen zu können. 

Wie verläuft die Erkrankung? 

Bei rapide wachsenden Tumoren wie dem Glioblastom ist die Überlebensprognose deutlich eingeschränkt. Bei IDH-mutierten diffusen Gliomen können Patient:innen oft jahre-, manchmal jahrzehntelang ein vergleichsweise normales Leben führen. Verlauf und Symptomatik der Erkrankung – und damit auch die Lebensqualität der Patient_:innen – sind wiederum von der Lokalisation, der Größe und dem Ansprechen auf die Therapie abhängig. Gerade, wenn Patient:innen Lähmungserscheinungen oder Sprachstörungen entwickeln und auf die Hilfe von Angehörigen oder Pflegepersonal angewiesen sind, kann das sehr einschränkend sein. Darum ist es so wichtig, weiter in die Forschung zu investieren, damit wird auch diese Patient:innen mit effektiveren Therapien unterstützen können. 

Welche Behandlungsstrategien gibt es heute?

Prinzipiell versucht man in einem ersten Schritt immer, möglichst viel Tumorgewebe zu entfernen. Gerade wenn der Tumor in sehr wichtigen Arealen des Gehirns liegt, wie dem Bewegungs- oder Sprachzentrum, kann oft nur ein Teil entfernt werden, um das Risiko von Schäden zu minimieren. Zurückbleibende Tumorzellen werden individuell angepasst mit Strahlen-, Chemo- oder zielgerichteter Therapie bzw. einer Kombination behandelt. Diese zielgerichteten Therapien eröffnen uns bei Patient:innen mit IDH-mutierten Tumoren neue Behandlungsmöglichkeiten. 

Welche Fortschritte sind hier in den nächsten Jahren zu erwarten? 

Bei Hirntumoren haben wir uns lange Zeit schwergetan. Mit den zielgerichteten Therapien machen wir jetzt deutliche Fortschritte. Es wird weiter intensiv daran geforscht, die Tumor-Biologie besser zu verstehen, um neue Angriffspunkte für Therapien zu finden. Auch in Österreich laufen klinische Studien in diesem Bereich. Wir können realistischerweise davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren neue Therapien hinzukommen und zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten verfügbar sein werden.

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