Nicole Kuen betreut Parkinson-Patient:innen stationär und ambulant in den Tirole Kliniken sowie selbständig im häuslichen Umfeld. Die Parkinson-Nurse erklärt, wie interdisziplinäres Teamwork und der Austausch mit Angehörigen die Krankheitsbewältigung unterstützen

Nicole Kuen
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Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin Parkinson-Nurse bei den Tirole Kliniken und selbständig
Parkinson – Bewältigung ist Teamsache
Nicole Kuen betreut Parkinson-Patient:innen stationär und ambulant in den Tirole Kliniken sowie selbständig im häuslichen Umfeld. Die Parkinson-Nurse erklärt, wie interdisziplinäres Teamwork und der Austausch mit Angehörigen die Krankheitsbewältigung unterstützen
Wie sieht ganzheitliche Betreuung von Parkinson-Patient:innen im Alltag aus?
Ich betreue Parkinson-Patient:innen in der Klinik und im häuslichen Umfeld. Innerklinisch geht es vor allem um die medizinische Bewältigung der chronischen Erkrankung. Wir schulen Patient:innen im Medikamentenmanagement und zeigen ihnen auf, wie wichtig es ist, sich an die Therapie zu halten – Stichwort Compliance. Im heimischen Umfeld unterstützen wir Patient:innen vor allem bei der Bewältigung ihres Alltags mit Parkinson und beim Hilfe holen, wenn sie krankheitsbedingt an ihre Grenzen stoßen. Wir zeigen ihnen Hilfe zur Selbsthilfe bei Körperhygiene, Anziehen und alltäglichen Besorgungen auf, stellen Selbsthilfegruppen vor und bei Bedarf den Kontakt zu Expert:innen unseres interdisziplinären Teams her.
Welche Rolle spielt dieser Austausch im Team und mit den Angehörigen?
Der Austausch zwischen Medizin, professioneller Pflege und Angehörigen bedeutet die bestmögliche Versorgung der Patient:innen Was fordert Patient:innen und Angehörige besonders heraus? Der Austausch und Medizin, Pflege und Angehörigen sichert eine bestmögliche Versorgung der Patientinnen sowie ein selbstbestimmtes Leben trotz Erkrankung. Als Parkinsonnurs bin ich das Bindeglied zwischen Ärztinnen, Therapeutinnen, Sozialarbeit und Mobilen Diensten für einen niederschwelligen und ganzheitlichen Zugang.
Welche Sorgen und Ängste haben Patient:innen und Angehörige – und wie gehen Sie damit um?
Neudiagnostizierte Patient:innen sorgen sich vor allem um ihre Zukunft. Da jede Parkinson Erkrankung individuell verläuft, ist ungewiss, was auf eine:n zukommt. Diese Ungewissheit schürt Ängste. Auch die Reaktion der Menschen im Umfeld bereitet oft Sorge, zumal die meisten wenig über Parkinson wissen. Im Verlauf sind es dann auch die Angehörigen, auf die wir achten. Viele verausgaben sich in der Pflege ihrer erkrankten Angehörigen – und leiden stark unter der physischen und psychischen Belastung. In allen Fällen hilft Aufklärung zur Erkrankung und zum Krankheitsmanagement sowie die Akzeptanz externer Hilfe.
Was fordert Patient:innen und Angehörige besonders heraus?
Parkinson verändert die Erkrankten. Viele haben oft eine reduzierte Mimik und können nicht mehr lächeln, gleichwohl sie sich freuen. Angehörige missverstehen das mitunter und grämen sich ob der vermeintlichen Undankbarkeit. Das ‚Missverständnis‘ belastet die Beziehung. Unsere Schulungen helfen Angehörigen, das zu verstehen und damit umzugehen.
Wie motivieren Sie Patient:innen, sich nicht über die Krankheit zu definieren?
Mit vielfältigen Angeboten zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben: Wir zeigen ihnen beispielsweise Wege zu gemeinschaftlichem Sport wie Tischtennis, Tanzen und Boxen auf.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Parkinson-Betreuung?
Während in vielen Kliniken heute interdisziplinäre Teams zur klinischen und ambulanten Betreuung bereitstehen, fehlen diese in der peripheren Betreuung noch. Hier wünsche ich mir einen stärkeren Ausbau, gerade in den Tälern bei uns in Tirol.