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Univ.-Prof. Dr. Klaus Seppi  ist Neurologe an der Medizinischen Universität Innsbruck und Experte für Parkinson. Im Interview stellt er Parkinson vor. 

Univ.-Prof. Dr. Klaus Seppi (Neurologe, Medizinische Universität Innsbruck)

Univ.-Prof. Dr. Klaus Seppi 

© ZVG

Neurologe, Medizinische Universität Innsbruck

Was wissen wir heute über das Parkinsonsyndrom? 

Das Parkinsonsyndrom ist eine Gruppe von Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen – die häufigste ist die Parkinson-Erkrankung (Morbus Parkinson). Mit 25.000 Betroffenen und jährlich 2000 bis 3500 Neudiagnosen in Österreich ist diese neurodegenerative Erkrankung weit verbreitet. Sie stört die Beweglichkeit und Bewegungsabläufe, wobei es zu Bewegungsverlangsamung (Bradykinese), Muskelsteifheit (Rigor) sowie Zittern (Tremor) und infolgedessen oft zu Gangstörungen, die mit Stürzen einhergehen, kommt. Auch die Feinmotorik leidet, sodass Knöpfe, Essbesteck und Zahnbürste usw. schwieriger zu handeln sind. Neben diesen motorischen Symptomen treten auch nicht-motorische auf, darunter: Schlechterer Geruchssinn, Verstopfung, Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen und Depressionen, Ängste, Schmerzen, Kreislaufbeschwerden sowie Probleme mit Blase, Sexualität oder Gedächtnis. Die Parkinson-Erkrankung verkürzt die Lebenserwartung bei gut eingestellter Medikation kaum, verläuft jedoch sehr individuell. Nicht-motorische Symptome eilen motorischen häufig weit voraus . Sehr viele der Betroffenen hatten vor ihrer Diagnose schon solche unspezifischen Symptome. Spannend ist auch: Mehr als 90 Prozent der Diagnostizierten litten lange vorher an einer INTERVIEW Geruchsstörung. Bei der Parkinson-Erkrankung kommt es zu einem Dopaminmangel. Ein Mangel dieses Botenstoffs, der im Gehirn als „Schmieröl“ unserer Beweglichkeit wirkt, führt zu den typischen motorischen Parkinsonsymptomen. Parkinson kann über Jahre gut behandelt werden. Trotzdem schreitet die Krankheit fort, weil sich im Gehirn Eiweißablagerungen bilden, die Nervenzellen nach und nach zerstören. Doch Alter, männliches Geschlecht, Umwelteinflüsse und ein ungesunder Lifestyle sind bekannte Risikofaktoren. Auch die Genetik spielt eine Rolle. 

Warum sollten Betroffene alle Therapieoptionen kennen? 

Die Parkinson-Erkrankung ist noch nicht heilbar, lässt sich mit Medikamenten, die das fehlende Dopamin ersetzen, jedoch lange gut kontrollieren. Mit fortschreitender Erkrankung und weil das Standardmedikament L-Dopa im Körper nur kurz wirkt, kann es zu Wirkungsschwankungen kommen. Lässt die Wirkung von L-Dopa nach, gehen die guten Phasen („ON“) in Zeiten über, in denen die Symptome zurückkehren („OFF“) – manchmal ganz plötzlich und unerwartet. Die Dopaminersatztherapie muss regelmäßig individuell angepasst werden. Um die Symptome möglichst konstant zu halten, sollten die Medikamente nach einem festen Zeitplan eingenommen werden. Da zwischen der L-Dopa-Einnahme und den Mahlzeiten mindestens eine Stunde liegen sollte, stößt die herkömmliche Therapie im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf oft an ihre Grenzen. Betroffene sollten dann alternative Therapien kennen: die Parkinson-Pumpe, die den Dopaminersatz gleichmäßig abgibt und so den Wirkspiegel konstant hält, oder die tiefe Hirnstimulation, die mit elektrischen Impulsen gestörte Regelkreise im Gehirn reguliert und somit die „Bremse“ in der Bewegungssteuerung löst. 

Viele Betroffene und Angehörige haben Angst vor der Pumpentherapie. Woher kommt diese Angst und wie kann man sie nehmen? 

Die Angst vor einer Parkinson-Pumpe beruht meist auf der Vorstellung, dass dafür ein Implantat nötig ist. Das schreckt ab – und ist aber gar nicht der Fall: Entweder erfolgt die Medikamentengabe subkutan (unter der Haut) oder per Sonde in den Dünndarm. Hier helfen Aufklärung und der Austausch mit anderen Betroffenen, die bereits eine Pumpe nutzen. Die kontinuierliche Abgabe des Dopaminersatzes durch eine Pumpe verbessert die Symptomatik tagsüber sowie nachts und damit die Lebensqualität insgesamt deutlich.

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