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Vagusnervstimulation: Wie Gehirnschrittmacher bei Epilepsie helfen

Erwachsene und Kinder, die eine Enzephalographie mit Gehirnausschnitt, Autismus, Schlaganfall, Epilepsie und Alzheimer-Bewusstsein, Krampfanfälle, Schlaganfall, ADHS, Weltsymbole
Erwachsene und Kinder, die eine Enzephalographie mit Gehirnausschnitt, Autismus, Schlaganfall, Epilepsie und Alzheimer-Bewusstsein, Krampfanfälle, Schlaganfall, ADHS, Weltsymbole
© SewCreamStudio - shutterstock.com

Etwa ein Drittel der Epilepsiepatient:innen spricht nicht ausreichend auf Medikamente an und/oder ist aus verschiedenen Gründen nicht operabel. Als zusätzliche Behandlung kann eine transkutane aurikuläre Vagusnervstimulation (taVNS) helfen, sowohl die Zahl als auch die Intensität der epileptischen Anfälle zu verringern. Wie das funktioniert, erklärt Priv.-Doz.in Dr.in med. Randi von Wrede, geschäftsführende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Epileptologie am Universitätsklinikum Bonn.

Priv.-Doz.in Dr.in med. Randi von Wrede, geschäftsführende Oberärztin der Klinik und
Poliklinik für Epileptologie am Universitätsklinikum Bonn

Priv.-Doz.in Dr.in med. Randi von Wrede

© Universitätsklinikum Bonn

Geschäftsführende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Epileptologie am Universitätsklinikum Bonn

Was ist die transkutane aurikuläre Vagusnervstimulation (taVNS)?

Folgendes Hintergrundwissen ist wichtig: Zu epileptischen Anfällen kommt es aufgrund plötzlicher, unkontrollierter elektrischer Entladungen im Gehirn, die auch als ‚Gewitter im Kopf‘ beschrieben werden. Um diese Übererregbarkeit von Nervenzellen (Neuronen) beigegen medikamentöse Behandlung resistenten Epilepsiepatient:innen zu senken, setzen wir seit Langem auf neuromodulative Verfahren wie die Neurostimulation. Dabei reizen wir Hirnstrukturen mittels leichter elektrischer Impulse, ohne das Gewebe zu schädigen. Der Vagusnerv ist ein Hirnnerv, der uns von außerhalb des Schädels Zugang zum Gehirn bietet. 

Es gibt verschiedene Methoden zur Vagusnervstimulation (VNS): Seit Mitte der 1990er-Jahre implantieren wir im Zuge eines operativen Eingriffs einen sogenannten Gehirnschrittmacher in eine Hauttasche hinter dem linken Brustmuskel und führen von dort eine feine Elektrode zum Vagusnerv im linken Halsbereich. Dieser operative Eingriff birgt wie jede OP gewisse Risiken – und auch der Fremdkörper im Körper ist nicht risikolos.

Seit einigen Jahren gibt es auch deshalb eine reversible Weiterentwicklung der VNS, die ohne Implantation auskommt: die transkutane aurikuläre Vagusnervstimulation (taVNS). Patient:innen nutzen hier eine Elektrode, die sie aufs Ohr setzen. Diese ist per Kabel mit dem Pulsgeber verbunden, der beispielsweise in die Brusttasche eines Oberhemdes oder einer Bluse gesteckt werden kann.

Was bringt die taVNS den Epilepsiepatient:innen?

Die Wirksamkeit der taVNS ist wahrscheinlich vergleichbar mit implantierten Vagusnervstimulationsgeräten. Wir können damit keine Anfallsfreiheit erzielen, doch die Zahl und Intensität epileptischer Anfälle lassen sich nachweislich senken. In einer randomisierten, kontrollierten Studie konnte gezeigt werden, dass sich bei rund 45 Prozent der Patient:innen die Zahl der Anfälle dank taVNS halbierte, während es bei Patient:innen, die diese Therapie nicht bekamen, 17 Prozent waren. Patient:innen mit taVNS können wacher, ausgeglichener und insgesamt positiver gestimmt sein.

Zudem sind die Nebenwirkungen äußerst gering, ab und zu kommt es zu Hautrötungen. Andere Nebenwirkungen wie Heiserkeit oder Husten konnten wir bis jetzt nicht beobachten. Die Patient:innen profitieren von einer wirksamen Therapie, die sie per App steuern und kontrollieren können.

Was müssen Patient:innen zur Anwendung der taVNS wissen?

Wir empfehlen, die taVNS täglich für insgesamt vier Stunden anzuwenden – entweder am Stück oder in mehreren ‚Sitzungen‘, wobei das Gerät jeweils möglichst eine Stunde lang ununterbrochen laufen sollte. Währenddessen können die Patient:innen vielen ihrer alltäglichen Aufgaben ungestört nachgehen. Aber: Schlafen dürfen sie damit nicht.

Die taVNS-Geräte sind als Medizinprodukte zertifiziert (CE-Zeichen). Die Methode kann bei Personen ab einem Alter von 3 Jahren zur Anwendung kommen und wird inzwischen nicht nur bei Epilepsie, sondern auch bei der Behandlung bestimmter Schmerzen sowie bei Depressionen erfolgreich eingesetzt.

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