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Wenn Schlaf nicht mehr erholsam ist 

Mann schlafend im Bett und schnarchen laut, während frustrierte Frau neben sitzen mit erschöpften Ausdruck, gestresste Frau verliert Schlaf wegen Ehemann schnarcht in der Nacht, Gesundheit und Beziehungen Probleme.
Mann schlafend im Bett und schnarchen laut, während frustrierte Frau neben sitzen mit erschöpften Ausdruck, gestresste Frau verliert Schlaf wegen Ehemann schnarcht in der Nacht, Gesundheit und Beziehungen Probleme.
© DimaBerlin - shutterstock.com

Ca. 18% der erwachsenen europäischen Bevölkerung haben eine obstruktive Schlafapnoe. (OSA)1 – Sie ist die häufigste Form der Schlafapnoe. Internist und Pneumologe Dr. med. Severin Senk, Oberarzt der Pneumologie in den Tirol Kliniken Natters, erklärt, wie es zu dieser Atemstörung kommt und welche modernen Therapien es dafür gibt.

Internist und Pneumologe Dr. med. Severin Senk, Oberarzt der Pneumologie in den Tirol Kliniken Natters

Dr. med. Severin Senk

© ZVG

Oberarzt der Pneumologie in den Tirol Kliniken Natters

Was passiert bei einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) im Körper und warum bleibt sie häufig lange unerkannt?

Bei der obstruktiven Schlafapnoe erschlafft die Muskulatur im Rachenbereich. Infolgedessen verengt sich der Atemweg oder verschließt sich ganz. Beim Ein- und Ausatmen schnarchen Betroffene dann laut. Wegen der Atemstörung gelangt weniger Sauerstoff in Lunge und Körper. Das Atemzentrum im Gehirn erkennt, dass Erstickung droht. Es schlägt Alarm und löst eine Weckreaktion aus, die Muskulatur im Rachen spannt sich wieder an und die Atemwege sind wieder frei. Die meisten dieser Weckreaktionen werden von den Betroffenen nicht wahrgenommen. Die Unterbrechung des Schlafes lässt das Herz schneller schlagen und den Blutdruck steigen. Lange unerkannt bleibt eine Schlafapnoe häufig, weil sie im Schlaf stattfindet, ohne dass die Betroffenen sie direkt mitbekommen. 

Welche Symptome sollten Betroffene ernst nehmen und ärztlich abklären lassen? 

Lautes regelmäßiges Schnarchen, beobachtete Atempausen, wachwerden und nach Luft Schnappen oder das Gefühl zu haben zu ersticken sind typisch für die OSA. Wegen der Schlafstörung kommt es nachts zudem zu häufigerem Wasserlassen. Der Mangel an erholsamem Schlaf verursacht morgens oft Kopfschmerzen und tagsüber ausgiebige Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Stimmungsschwankungen. Diese Symptome sind ernst und sollten abgeklärt werden – insbesondere dann, wenn zudem Bluthochdruck vorliegt, der sich trotz vieler Medikamente nur schwer einstellen lässt. 

Gibt es Risikofaktoren? 

Allen voran ist hier das Übergewicht zu nennen. Das männliche Geschlecht und das Alter erhöhen ebenfalls das Risko für eine obstruktive Schlafapnoe. Für Frauen steigt das Risiko nach der Menopause. 

Warum sind gesunde Atmung und erholsamer Schlaf so eng miteinander verbunden? 

Der häufige Sauerstoffabfall im Blut und die wiederkehrenden Weckreaktionen stören den gesunden Schlaf. Die Betroffenen kommen nur noch selten in den erholsamen Traum- und Tiefschlaf. Und wer sich im Schlaf nicht erholt, bekommt es mit Dauerstress zu tun. Der hierdurch aktivierte Teil des Nervensystems, das „Gaspedal unseres Körpers“, ist andauernd im ‚Fight or Flight‘-Modus. Hält dieser Zustand über Jahre an, drohen Herzkreislauferkrankungen (Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall) und Stoffwechselerkrankungen (Diabestes mellitus), die ihrerseits den Schlaf verschlechtern. Dieser Teufelskreis beeinträchtigt die gesamte Gesundheit, zumal sich der Körper auch in gewisser Weise an den schlechteren Schlaf gewöhnt. 

Wann wird eine Atemwegstherapie nötig und welche modernen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Beim Vorliegen von Herzkreislauferkrankungen, einer ausgeprägten Tagesschläfrigkeit, die schlimmstenfalls zum Einschlafen am Steuer oder zu häufigem Sekundenschlaf führt, sollte als Alarmsignal verstanden werden. Die derzeit effektivste Behandlung ist eine nächtliche Überdrucktherapie (CPAP) mit Masken, die nur auf der Nase oder auf Mund und Nase sitzen. Ein zugehöriges kleines Gerät bringt via Schlauch und Maske Luft mit leichtem Überdruck in die Atemwege, die auf diese Weise geschient werden. Bestenfalls kommt es damit gar nicht mehr zu Atemaussetzern. Personen, die solche Masken nicht vertragen, lassen sich mit individuell angepassten Schienen versorgen, die den Unterkiefer nach vorne schieben und so den Rachenraum freihalten. Diese Protrusionsschienen sind jedoch eher für jüngere Patient:innen geeignet, die weder an schwerer Schlafapnoe noch an schwerem Übergewicht leiden. Implantierte Zungenschrittmacher stimulieren per elektrischem Impuls den Zungennerv. Infolgedessen spannt sich die Zungenmuskulatur leicht an und die Zunge rutscht im Schlaf nicht mehr nach hinten. Die Atemwege bleiben frei.  Medikamente, die das Gewicht reduzieren (Abnehmspritze), helfen die Atemaussetzer in der Nacht zu reduzieren. Die Praxis zeigt, dass 20 Prozent weniger Gewicht die Atemaussetzer um 50 bis 60 Prozent senken. In Zukunft können voraussichtlich auch Medikamente eingesetzt werden, die dafür sorgen, dass die Muskulatur im Rachenbereich nicht erschlafft.

Was sind typische Herausforderungen  bei der Gewöhnung an eine Atemwegstherapie?

Das A und O ist die regelmäßige Nutzung der Therapie in der Nacht, vier Stunden pro Nacht sind hier das Minimum. Bei Masken und Schienen hängt dies vor allem davon ab, wie gut diese passen.

Was sind typische Herausforderungen  bei der Gewöhnung an eine Atemwegstherapie? 

Das A und O ist die regelmäßige Nutzung der Therapie in der Nacht, vier Stunden pro Nacht sind hier das Minimum. Bei Masken und Schienen hängt dies vor allem davon ab, wie gut diese passen.

Was hilft Betroffenen, bei anfänglichen Schwierigkeiten dranzubleiben?

Aufklärung ist essenziell. Wer das gesundheitliche Risiko der Schlafapnoe kennt, weiß therapeutische Maßnahmen zu schätzen. Die obstruktive Schlafapnoe ist nicht heil-, aber gut behandelbar – wenn die Patient:innen gewillt sind, dranzubleiben. Anfängliche Schwierigkeiten lassen sich mit guter Beratung zu den Therapieoptionen und mit einer gründlichen Einschulung zum Gerät der Wahl meistern.

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