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Wenn Schmerz bleibt: Warum Schmerz chronisch werden kann

Frauen, die ihren Nacken in Schmerzen berühren, während sie zu Hause sitzen. Nackenschmerzen, Muskelspannung, Schulteranstrengung und Gesundheitskonzept.
Frauen, die ihren Nacken in Schmerzen berühren, während sie zu Hause sitzen. Nackenschmerzen, Muskelspannung, Schulteranstrengung und Gesundheitskonzept.
© SurPixel - Shutterstock.com

Viele Menschen denken bei Schmerzen zuerst an Tabletten, Spritzen oder Salben. Bei akuten Beschwerden ist das oft richtig. Bleibt Schmerz aber über längere Zeit, kann er sich verändern: Das Nervensystem wird empfindlicher, Bewegung wird vermieden, Schlaf und Stimmung leiden. Dann ist Schmerz nicht mehr nur ein Symptom, sondern kann zu einer chronischen Erkrankung werden. Genau deshalb braucht die Behandlung chronischer Schmerzen ein aufwändiges, individuelles Konzept. 

Primaria Dr. Gislind Döhrn FÄ für Neurologie sowie FÄ für Allgemein- und Familienmedizin, Ärztliche Leitung der SANLAS  Privatklinik Laßnitzhöhe

Interview mit: Primaria Dr. Gislind Döhrn

© ZVG

FÄ für Neurologie sowie FÄ für Allgemein- und Familienmedizin, Ärztliche Leitung der SANLAS Privatklinik Laßnitzhöhe.

Was ist Schmerz und wie entsteht er? 

Schmerz ist zunächst ein wichtiges Warnsignal. Er sagt uns: Achtung, hier stimmt etwas nicht. Bei einer Verletzung, Entzündung oder Überlastung ist das sinnvoll. Schmerz entsteht aber nicht einfach an einer bestimmten Stelle im Körper, sondern immer im Zusammenspiel mit dem Nervensystem und dem Gehirn. Dort wird eingeordnet: Wie gefährlich ist das? Was habe ich erlebt? Habe ich Angst? Bin ich erschöpft? Deshalb ist Schmerz immer körperlich und emotional zugleich. Wenn Schmerzen über Monate bestehen bleiben, kann sich dieses Warnsystem verselbstständigen. Dann reagiert der Körper empfindlicher, obwohl die ursprüngliche Ursache vielleicht gar nicht mehr im Vordergrund steht. 

Warum stößt ambulante Behandlung bei Schmerzen oft an Grenzen? 

Ambulante Behandlung ist wichtig und in vielen Fällen ausreichend. Grenzen entstehen, wenn Schmerz nicht nur eine Ursache hat. Gerade bei chronischen Schmerzen mischen sich häufig verschiedene Mechanismen: Bindegewebe, Gelenke oder Muskeln können beteiligt sein, Nerven können gereizt sein, und das zentrale Nervensystem kann dauerhaft auf „Alarm“ stehen. Beim Schmerzsymposium im April haben wir genau diese Mischung, den sogenannten Mixed Pain, intensiv mit Fachleuten diskutiert. Für Betroffene heißt das: Ein Medikament allein oder eine einzelne Therapieeinheit reicht oft nicht mehr aus. Dazu kommen Schonung, Bewegungsangst, schlechter Schlaf, Sorgen und Rückzug. Diese Spirale lässt sich ambulant manchmal schwer durchbrechen. 

Was heißt stationäre Schmerztherapie, für wen ist sie und wann ist der richtige Zeitpunkt? 

Stationäre Schmerztherapie bedeutet natürlich nicht einfach: stärkere Medikamente. Sie bedeutet, mehrere wirksame Schritte eng aufeinander abzustimmen – Medizin, Bewegung, Psychologie, Pflege und Selbstmanagement. Geeignet ist sie für Menschen mit anhaltenden Rücken-, Gelenks-, Muskel-, Kopf-, Gesichts- oder Nervenschmerzen, bei Schmerzen nach Operationen oder Verletzungen, bei Fibromyalgie oder anderen generalisierten Schmerzsyndromen. Der richtige Zeitpunkt ist früher, als viele glauben: wenn Schmerzen über Wochen und Monate bleiben, der Alltag kleiner wird, Schlaf und Belastbarkeit nachlassen oder Menschen beginnen, dem eigenen Körper nicht mehr zu vertrauen. Dann sollte man nicht warten, bis „gar nichts mehr geht“.

Wie läuft die stationäre Behandlung ab? 

Am Anfang steht eine genaue Anamnese und Untersuchung: Was ist medizinisch abgeklärt, welche Schmerzen bestehen, was verstärkt sie, was hilft, was ist im Alltag nicht mehr möglich? Danach erstellen wir einen individuellen Behandlungsplan. Ein zentraler Baustein ist Bewegung, dosiert, begleitet und so, dass wieder Sicherheit entsteht. Dazu kommen ärztliche Behandlung, Physiotherapie, psychologische Unterstützung, Ergotherapie, Pflege und je nach Situation ergänzende Verfahren wie Akupunktur, physikalische Medizin oder Ganzkörper-Kältetherapie. Wir können keine Wunder versprechen. Ein zentrales Behandlungs-Ziel ist es aber, den Schmerzkreislauf zu unterbrechen, Schmerz zu reduzieren, Beweglichkeit und Lebensqualität zurückzugewinnen und den Umgang mit dem Schmerz zu verändern.

Patientinnen und Patienten haben in der SANLAS Privatklinik Laßnitzhöhe je nach Situation verschiedene Wege: eine akutstationäre Schmerzbehandlung, insbesondere für Zusatzversicherte oder Selbstzahler, sowie stationäre Rehabilitation in Orthopädie oder Neurologie über PVA und Sozialversicherungsträger.

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