Home » News » Multiple Sklerose (MS): Was hilft bei Spastiken?
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Bei bis zu 80 % der Patient:innen, die an MS leiden, kann als Symptom eine Spastik auftreten, sagt Dr. Christoph Stepan, Ärztlicher Direktor der Pflege Donaustadt, einer Langzeitbetreuungseinrichtung des Wiener Gesundheitsverbunds. Im Interview erklärt der Neurologe, wie es zu dieser Steifigkeit der Muskeln kommt und was sich dagegen tun lässt.

Dr. Christoph Stepan, MSc

Facharzt für Neurologie

Was ist Spastik und wie kommt es bei MS dazu?
Jeder gesunde Muskel hat eine Grundanspannung, um Bewegungen durchführen zu können. Bewegung setzt sich aus An- und Entspannung von Muskelgruppen zusammen. Nervenschäden, wie sie für die MS typisch sind, können zu einer Fehlsteuerung der Muskulatur und damit zu einem erhöhten Muskeltonus führen. Dieser zeigt sich beispielsweise als erhöhte Anspannung oder Verkrampfung der Muskulatur. Im am stärksten ausgeprägten Fall kann es zu einer andauernden Beugehaltung eines Arms oder Beins führen. Spastik kann Bewegung, Koordination und Gleichgewicht beeinträchtigen und sehr schmerzhaft sein.

Was verursacht die erhöhte Muskelanspannung und -versteifung?
Gesteuert wird der Wechsel zwischen der Muskelan- und -entspannung mit Signalen, die das Gehirn über die Nervenbahnen zu den Muskeln sendet. MS-bedingte Schäden an den Nerven stören die Signalübertragung. Ein gebeugter Arm lässt sich dann nicht mehr ohne Weiteres strecken. Die Folge für MS-Patient:innen sind Störungen bei ihren alltäglichen Bewegungen: Das Aufstehen vom Sofa, Stiegen steigen, Tasse halten oder Schreiben macht dann Probleme.

Ist Spastik gleich Spastik – und was kann Spastiken verstärken?
Der Krankheitsverlauf bei Multipler Sklerose ist sehr individuell in Abhängigkeit von den Nerven, die durch die Erkrankung geschädigt sind. Zudem beeinflussen verschiedene Faktoren, darunter Infekte, Stress oder Temperaturwechsel, die Symptome, die sie mit sich bringt. Alles, was die MS beeinflusst, kann auch ihre Spastiken verstärken – und diese können von Mensch zu Mensch variieren. Auch Blasenfunktionsstörungen können Symptome einer Spastik sein, wenn die Blase in ihrer Funktion gestört wird. Durch das Zusammenspiel von Muskelan- und entspannung kann es durch Spastik zu Problemen beim Wasserhalten und/oder Wasserlassen kommen. Dies kann zu Harnwegsinfekten führen und damit zu einer negativen Beeinflussung der Spastik, weil diese durch eine Entzündung verstärkt werden kann. Auch Durchschlafprobleme könnten einer Blasenfunktionsstörung zugrunde liegen.

Was hilft bei Spastiken: Welche Therapien gibt es und was können Betroffene tun?
Basis der Therapie ist die Physiotherapie: Sie ist heute Standardbehandlung, denn sie wirkt therapeutisch und prophylaktisch. Medikamentös helfen klassische Anti-Spastika, die oral verabreicht werden und die Muskeln entspannen. Die Herausforderung dabei ist das Dosieren, da die Muskelentspannungsmaßnahme mit einer erhöhten Müdigkeit (Fatigue) einhergehen kann. Ein cannabishaltiger Mundspray ist eine gute Alternative und kann den gesamten Spastik-Plus-Komplex, der auch Ein-/Durchschlafstörungen, Schmerzen und Blasenfunktionsstörungen umfasst, therapieren. Auch das Nervengift Botulinumtoxin (Botox) hat sich zum lokalen Muskelentspannen bewährt. Die Behandlung der Spastiken braucht das Zutun beider Seiten: der Medizin und der Betroffenen. 20 bis 30 Minuten Bewegung am Tag, eine mediterrane Ernährung und ein stressarmer Lebensstil sind das Rezept, mit dem MS-Patient:innen ihre Erkrankung gut in Schach halten können. Ganz wichtig ist das Verständnis für die Trias Schmerz-Schlaf-Stimmung und dafür, wie sich die drei gegenseitig beeinflussen. Wer wegen Muskelschmerzen schlecht schläft, ist eher verstimmt und stressanfälliger.

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